Korsika: Unterschied zwischen den Versionen

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== Vorstellung der Region ==
 
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[[Bild:Korsika-Niolo.jpg|thumb|Im korsischen Bergland]]
  
 
Korsika ist sehr gebirgig. Auch die der Küste am nächsten liegenden Straßen steigen an mehreren Stellen auf über 400 m Meereshöhe an. Nur zwei kleine Gebiete an der Ostküste sind Flachland (rund um Aléria sowie südlich von Bastia), aber dies sind nicht die attraktivsten Gegenden zum Radfahren. Wer nach Korsika kommt, tut dies, um die Bergwelt mit Meeresblick zu erleben.
 
Korsika ist sehr gebirgig. Auch die der Küste am nächsten liegenden Straßen steigen an mehreren Stellen auf über 400 m Meereshöhe an. Nur zwei kleine Gebiete an der Ostküste sind Flachland (rund um Aléria sowie südlich von Bastia), aber dies sind nicht die attraktivsten Gegenden zum Radfahren. Wer nach Korsika kommt, tut dies, um die Bergwelt mit Meeresblick zu erleben.
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=== Straßennetz ===
 
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[[Bild:Korsika-Schwein.jpg|thumb|Korsischer Straßenbenutzer]]
  
 
Die Nationalstraßen auf Korsika sind mit Wirkung von 2014 offiziell in ''Territorialstraßen'' umbenannt worden, wobei sich auch die Nummerierung geändert hat. Vor Ort und auf Karten findet man aber noch oft die alten Bezeichnungen, die daher auch in diesem Artikel vorerst weiter gebraucht werden. Eine Übersicht der alten und neuen Bezeichnungen gibt es [https://fr.wikipedia.org/wiki/Route_territoriale_en_Corse auf Wikipedia].
 
Die Nationalstraßen auf Korsika sind mit Wirkung von 2014 offiziell in ''Territorialstraßen'' umbenannt worden, wobei sich auch die Nummerierung geändert hat. Vor Ort und auf Karten findet man aber noch oft die alten Bezeichnungen, die daher auch in diesem Artikel vorerst weiter gebraucht werden. Eine Übersicht der alten und neuen Bezeichnungen gibt es [https://fr.wikipedia.org/wiki/Route_territoriale_en_Corse auf Wikipedia].
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Die beiden Inselhälften sind außer durch die Straßen an Ost- und Westküste durch vier Pässe im Landesinneren verbunden, namentlich Col de Vergio (1477 m), Col de Vizzavona (1163 m), Col de Verde (1289 m) und Col de Bavella (1218 m). Sechs weitere Querverbindungen erreichen Höhen von über 1000 m, daneben gibt es zahlreiche weitere Pässe zwischen 500 und 1000 m. Die Verbindungsstraßen in den Bergen sind meist dem Gelände genau angepasst, sie laufen kurvig den Hang entlang und sind selten steil. Steilere Abschnitte findet man auf Stichstraßen oder nachrangigen Passstraßen.
 
Die beiden Inselhälften sind außer durch die Straßen an Ost- und Westküste durch vier Pässe im Landesinneren verbunden, namentlich Col de Vergio (1477 m), Col de Vizzavona (1163 m), Col de Verde (1289 m) und Col de Bavella (1218 m). Sechs weitere Querverbindungen erreichen Höhen von über 1000 m, daneben gibt es zahlreiche weitere Pässe zwischen 500 und 1000 m. Die Verbindungsstraßen in den Bergen sind meist dem Gelände genau angepasst, sie laufen kurvig den Hang entlang und sind selten steil. Steilere Abschnitte findet man auf Stichstraßen oder nachrangigen Passstraßen.
  
Es gibt auf Korsika keine speziell ausgewiesenen Radrouten. Hinweise zu möglichen Routen und Zielen finden sich in den Beschreibungen der einzelnen Regionen.
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Es gibt auf Korsika keine speziell ausgewiesenen Radrouten. Hinweise zu möglichen Reiserouten und touristischen Zielen finden sich in den Beschreibungen der einzelnen Regionen.
  
 
=== Klima und Reisezeit ===
 
=== Klima und Reisezeit ===
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=== Sprache und Kultur ===
 
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Korsika gehört erst seit 1769 zu Frankreich. Zuvor war es unter römischer, pisanischer und genuesischer Herrschaft, und kurzzeitig auch unabhängig - jedenfalls
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[[Bild:Korsika-Filitosa.jpg|thumb|Megalith-Statue in Filitosa]]
dem italienischen Kulturkreis zugehörig. Dies macht sich an historischen Monumenten bemerkbar, an den Ortsnamen und an der korsischen Sprache, die mit mittelitalienischen Dialekten verwandt ist.
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Korsika ist mindestens seit dem achten Jahrtausend vor Christus besiedelt. Auf der Insel findet man Spuren großer geschichtlicher Spannbreite, von der Megalithkultur (Filitosa, Cucuruzzu), der Römerzeit (Aléria), der frühchristlichen Zeit (z.B. Kathedralen von Sagone und Mariana), oder der pisanischen und genuesischen Herrschaft (Wachtürme an der Küste). Erst seit 1769 gehört Korsika zu Frankreich. Zuvor war es - unter Rom, Pisa, Genua oder kurzzeitig unabhängig - dem italienischen Kulturkreis zugehörig. Dies macht sich noch heute an den Ortsnamen und an der korsischen Sprache bemerkbar, die mit mittelitalienischen Dialekten verwandt ist.
  
 
Im Alltag dominiert das Französische, was auch alleinige Amtssprache ist. In touristischen Einrichtungen dürfte man auch mit Italienisch gut klarkommen, da dies die zweitwichtigste Touristengruppe ist. Die korsische Sprache begegnet dem Reisenden zuvorderst als Vehikel für Fremdenfeindlichkeit: Auf Ortsschildern werden französische Ortsnamen (die eigentlich die genuesischen sind) überschmiert und mit dem Zusatz IFF (d.h. ''Franzosen raus'') versehen.
 
Im Alltag dominiert das Französische, was auch alleinige Amtssprache ist. In touristischen Einrichtungen dürfte man auch mit Italienisch gut klarkommen, da dies die zweitwichtigste Touristengruppe ist. Die korsische Sprache begegnet dem Reisenden zuvorderst als Vehikel für Fremdenfeindlichkeit: Auf Ortsschildern werden französische Ortsnamen (die eigentlich die genuesischen sind) überschmiert und mit dem Zusatz IFF (d.h. ''Franzosen raus'') versehen.
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=== Anreise per Fähre ===
 
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[[Bild:Korsika-Faehren.jpg|thumb|Fähren vor Anker in L'Île-Rousse]]
  
 
Corsica Ferries fahren von Toulon, Nizza, Savona und Livorno nach Korsika, Ankunftshäfen sind Ajaccio, Bastia, Porto-Vecchio und L'Île-Rousse, auch Nachtfähren. Fahrradbuchung problemlos möglich - erst die Verbindung aussuchen, dann als Verkehrsmittel Fahrrad wählen (allerdings nur eins pro Buchung).
 
Corsica Ferries fahren von Toulon, Nizza, Savona und Livorno nach Korsika, Ankunftshäfen sind Ajaccio, Bastia, Porto-Vecchio und L'Île-Rousse, auch Nachtfähren. Fahrradbuchung problemlos möglich - erst die Verbindung aussuchen, dann als Verkehrsmittel Fahrrad wählen (allerdings nur eins pro Buchung).
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=== Rund um Bastia ===
 
=== Rund um Bastia ===
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[[Bild:Korsika-Bastia.jpg|thumb|Mittagessen am Gouverneurspalast]]
  
 
Bastia ist ein wichtiger Fährhafen und Hauptort der Nordhälfte Korsikas, mit viel Verkehr. Südlich vom Hafen liegt die Innenstadt bestehend aus Altstadt und Zitadelle. Die Nationalstraße unterquert diese in einem langen Tunnel, der aber für Fahrräder gesperrt ist. Vom Hafen nach Norden herrscht auf der Küstenstraße viel Verkehr, der ab Erbalunga spürbar nachlässt.
 
Bastia ist ein wichtiger Fährhafen und Hauptort der Nordhälfte Korsikas, mit viel Verkehr. Südlich vom Hafen liegt die Innenstadt bestehend aus Altstadt und Zitadelle. Die Nationalstraße unterquert diese in einem langen Tunnel, der aber für Fahrräder gesperrt ist. Vom Hafen nach Norden herrscht auf der Küstenstraße viel Verkehr, der ab Erbalunga spürbar nachlässt.
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=== Cap Corse ===
 
=== Cap Corse ===
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[[Bild:Korsika-CapCorse.jpg|thumb|An der Westküste nahe Nonza]]
  
 
Cap Corse ist der Name der Halbinsel im Nordosten Korsikas. Die Straße an der Ostküste nördlich von Bastia stellt keine besonderen Ansprüche, sie verläuft meist direkt am Meer. Der einzige alte Ortskern an der Ostküste ist '''Erbalunga''', bei den übrigen Orten handelt es sich um moderne Hafenorte, die aus den Anlegestellen der im Landesinneren liegenden Dörfer entstanden sind. Immerhin kriegt man einige der genuesischen Wachtürme zu sehen, die die gesamte Insel umziehen.
 
Cap Corse ist der Name der Halbinsel im Nordosten Korsikas. Die Straße an der Ostküste nördlich von Bastia stellt keine besonderen Ansprüche, sie verläuft meist direkt am Meer. Der einzige alte Ortskern an der Ostküste ist '''Erbalunga''', bei den übrigen Orten handelt es sich um moderne Hafenorte, die aus den Anlegestellen der im Landesinneren liegenden Dörfer entstanden sind. Immerhin kriegt man einige der genuesischen Wachtürme zu sehen, die die gesamte Insel umziehen.
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=== Nebbio ===
 
=== Nebbio ===
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[[Bild:Korsika-Murato.jpg|thumb|Kirche San Michele bei Murato]]
  
 
Das Nebbio ist eine natürliche Region, die sich um den Golf von St-Florent gruppiert. Im Hauptort '''St-Florent''' findet man eine Zitadelle und die seit langem unbenutzte Kathedrale. Die übrigen Orte der Pieven von Oletta, Murato und Tenda gruppieren sich wie in einem Amphitheater rund um eine kleine Ebene südlich von St-Florent, mit Blick auf den Golf.auf Höhen von 200 bis 500 m. Der höchste Punkt ist bei '''Murato''' erreicht, wo sich die touristische Hauptattraktion der Gegend befindet, die aus schwarz-weißem Mauerwerk bestehende Kirche von San Michele.
 
Das Nebbio ist eine natürliche Region, die sich um den Golf von St-Florent gruppiert. Im Hauptort '''St-Florent''' findet man eine Zitadelle und die seit langem unbenutzte Kathedrale. Die übrigen Orte der Pieven von Oletta, Murato und Tenda gruppieren sich wie in einem Amphitheater rund um eine kleine Ebene südlich von St-Florent, mit Blick auf den Golf.auf Höhen von 200 bis 500 m. Der höchste Punkt ist bei '''Murato''' erreicht, wo sich die touristische Hauptattraktion der Gegend befindet, die aus schwarz-weißem Mauerwerk bestehende Kirche von San Michele.
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=== Balagne ===
 
=== Balagne ===
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[[Bild:Korsika-IleRousse.jpg|thumb|L'Île-Rousse und Hinterland]]
  
 
Balagne heißt die bergige Küstenregion im Nordwesten Korsikas, deren Hauptorte die Häfen '''Calvi''' und '''L'Île-Rousse''' sind, beides mögliche Ausgangspunkte für eine Korsika-Reise. Die Nationalstraße N197, teils mit breitem Randstreifen versehen, verläuft mit einigem Auf und Ab entlang der Küste, bei Lumio erreicht sie 180 m Meereshöhe.
 
Balagne heißt die bergige Küstenregion im Nordwesten Korsikas, deren Hauptorte die Häfen '''Calvi''' und '''L'Île-Rousse''' sind, beides mögliche Ausgangspunkte für eine Korsika-Reise. Die Nationalstraße N197, teils mit breitem Randstreifen versehen, verläuft mit einigem Auf und Ab entlang der Küste, bei Lumio erreicht sie 180 m Meereshöhe.
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=== Castagniccia ===
 
=== Castagniccia ===
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[[Bild:Korsika-Castagniccia.jpg|thumb|Typisches Castagniccia-Dorf]]
  
 
Die Castagniccia liegt im Gebirgsmassiv, das südlich von Bastia zwischen der Küste und dem Tal des Golo liegt. Zur eigentlichen Castagniccia gehört nur das Innere des Massivs, traditionell werden dazu die drei Kirchspiele Alesani, Orezza und Ampugiani gerechnet. Das Alesani liegt am Nordhang des gleichnamigen Tals im Süden der Region, Orezza und Ampugiani mit den Hauptorten Piedicroce bzw. La Porta gruppieren sich rund um das das Tal des Fium'Alto.
 
Die Castagniccia liegt im Gebirgsmassiv, das südlich von Bastia zwischen der Küste und dem Tal des Golo liegt. Zur eigentlichen Castagniccia gehört nur das Innere des Massivs, traditionell werden dazu die drei Kirchspiele Alesani, Orezza und Ampugiani gerechnet. Das Alesani liegt am Nordhang des gleichnamigen Tals im Süden der Region, Orezza und Ampugiani mit den Hauptorten Piedicroce bzw. La Porta gruppieren sich rund um das das Tal des Fium'Alto.
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=== Rund um Corte ===
 
=== Rund um Corte ===
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[[Bild:Korsika-Corte.jpg|thumb|Corte]]
  
 
Corte ist der größte Ort im Landesinneren. Eine Senke in Nord-Süd-Richtung, markiert durch die Flüsse Golo und Vecchio, bündelt die Wege durchs nördliche Bergland. Sie ist Teil der Verkehrsverbindung Bastia–Ajaccio (N193) und steigt von Ponte-Leccia (200 m ü.d.M.) über Corte bis zum Col de Vizzavona (1163 m) an. Nördlich von Corte scheint der Verkehr intensiver zu sein als südlich davon. Von Ponte-Lecchia nach Corte ist die D18 eine ruhigere Alternative. Südlich von Corte gibt es keine direkte Alternative zur N193. Die stärksten Steigungen sind rund um Vivario, der Rest der Steigung zum Col dann erträglich.
 
Corte ist der größte Ort im Landesinneren. Eine Senke in Nord-Süd-Richtung, markiert durch die Flüsse Golo und Vecchio, bündelt die Wege durchs nördliche Bergland. Sie ist Teil der Verkehrsverbindung Bastia–Ajaccio (N193) und steigt von Ponte-Leccia (200 m ü.d.M.) über Corte bis zum Col de Vizzavona (1163 m) an. Nördlich von Corte scheint der Verkehr intensiver zu sein als südlich davon. Von Ponte-Lecchia nach Corte ist die D18 eine ruhigere Alternative. Südlich von Corte gibt es keine direkte Alternative zur N193. Die stärksten Steigungen sind rund um Vivario, der Rest der Steigung zum Col dann erträglich.
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=== Westküste ===
 
=== Westküste ===
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[[Bild:Korsika-Piana.jpg|thumb|Calanche von Piana]]
  
 
Die Westküste zwischen Calvi und Piana gehört zu den landschaftlichen Höhepunkten der Insel. Der '''Golf von Porto''' mit seiner Umgebung gehört zum Weltnaturerbe der Unesco.
 
Die Westküste zwischen Calvi und Piana gehört zu den landschaftlichen Höhepunkten der Insel. Der '''Golf von Porto''' mit seiner Umgebung gehört zum Weltnaturerbe der Unesco.
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=== Südliches Bergland ===
 
=== Südliches Bergland ===
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[[Bild:Korsika-Bavella.jpg|thumb|Col de Bavella]]
  
 
Das Landesinnere südlich und westlich des Hauptkamms ist kleinteilig gegliedert, im Folgenden nur einige Bemerkungen zu den wichtigsten Passstraßen:
 
Das Landesinnere südlich und westlich des Hauptkamms ist kleinteilig gegliedert, im Folgenden nur einige Bemerkungen zu den wichtigsten Passstraßen:
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=== Südspitze ===
 
=== Südspitze ===
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[[Bild:Korsika-Bonifacio.jpg|thumb|"Schwebende Häuser" in Bonifacio]]
  
 
Im Suden der Insel zwischen Sartène, Bonifacio und Porto-Vecchio sind N196 (Südwestküste) und N198 (Ostküste) die einzigen durchgehenden Straßen. Allerdings ist der meiste Verkehr dem Tourismus nach Bonifacio geschuldet. Die Verkehrsbelastung lässt sich also reduzieren, indem man antizyklisch fährt: abends in Richtung Bonifacio, wenn die meisten von dort wegfahren, und vormittags umgekehrt.
 
Im Suden der Insel zwischen Sartène, Bonifacio und Porto-Vecchio sind N196 (Südwestküste) und N198 (Ostküste) die einzigen durchgehenden Straßen. Allerdings ist der meiste Verkehr dem Tourismus nach Bonifacio geschuldet. Die Verkehrsbelastung lässt sich also reduzieren, indem man antizyklisch fährt: abends in Richtung Bonifacio, wenn die meisten von dort wegfahren, und vormittags umgekehrt.

Aktuelle Version vom 7. Februar 2017, 01:33 Uhr

Lage der Region

Korsika (frz. Corse) ist eine Insel im Mittelmeer, etwa halb so groß wie Thüringen. Politisch gehört sie zu Frankreich und bildet eine Region mit Sonderstatus.

Vorstellung der Region

Im korsischen Bergland

Korsika ist sehr gebirgig. Auch die der Küste am nächsten liegenden Straßen steigen an mehreren Stellen auf über 400 m Meereshöhe an. Nur zwei kleine Gebiete an der Ostküste sind Flachland (rund um Aléria sowie südlich von Bastia), aber dies sind nicht die attraktivsten Gegenden zum Radfahren. Wer nach Korsika kommt, tut dies, um die Bergwelt mit Meeresblick zu erleben.

Der Hauptkamm des korsischen Gebirges entspricht in etwa der Grenze zwischen den Départements Corse-du-Sud und Haute-Corse. Dort finden sich auch die höchsten Berge, die über 2000 m Meereshöhe ragen. Abseits des Hauptkamms erreicht das Gebirge noch vielfach Höhen von 1000 bis 1500 m Meereshöhe.

Korsika ist auch ein bevorzugtes Wandergebiet, es kann sich anbieten, das Fahrrad gelegentlich stehen zu lassen, um eine Gegend näher zu Fuß zu erkunden. Für detaillierte Tips wird auf einschlägige Quellen verwiesen.

Straßennetz

Korsischer Straßenbenutzer

Die Nationalstraßen auf Korsika sind mit Wirkung von 2014 offiziell in Territorialstraßen umbenannt worden, wobei sich auch die Nummerierung geändert hat. Vor Ort und auf Karten findet man aber noch oft die alten Bezeichnungen, die daher auch in diesem Artikel vorerst weiter gebraucht werden. Eine Übersicht der alten und neuen Bezeichnungen gibt es auf Wikipedia.

Der überörtliche Straßenverkehr konzentriert sich auf die Nationalstraßen, hier insbesondere die Inseltransversale Ajaccio–Bastia (N 193) und entlang der Ostküste (N 198). Die meisten Urlauber sind wegen des Strandlebens da. Deshalb kann es zur Haupturlaubszeit (Juli/August) an manchen Küstenabschnitten ein hohes Verkehrsaufkommen geben (z.B. in den Umgebungen von Ajaccio/Porticcio, Propriano, Porto-Vecchio, Bastia), während es in den Bergen gleichzeitig sehr ruhig zugeht.

Die Qualität der korsischen Nebenstraßen hat nicht den allerbesten Ruf, aber es hat sich in den letzten Jahren viel getan. Vereinzelt findet man noch regelrechte Schlaglochpisten, aber das ist rar; siehe ggfs. die Hinweise zu den einzelnen Regionen. Eine Besonderheit des korsischen Straßenverkehrs sind die Schweine, die im Landesinneren auf den Straßen herumlaufen - oder am Straßenrand vor sich hin dösen. Sie gehören meist zu einem Stall in der Nähe der Straße und haben Auslauf.

Die beiden Inselhälften sind außer durch die Straßen an Ost- und Westküste durch vier Pässe im Landesinneren verbunden, namentlich Col de Vergio (1477 m), Col de Vizzavona (1163 m), Col de Verde (1289 m) und Col de Bavella (1218 m). Sechs weitere Querverbindungen erreichen Höhen von über 1000 m, daneben gibt es zahlreiche weitere Pässe zwischen 500 und 1000 m. Die Verbindungsstraßen in den Bergen sind meist dem Gelände genau angepasst, sie laufen kurvig den Hang entlang und sind selten steil. Steilere Abschnitte findet man auf Stichstraßen oder nachrangigen Passstraßen.

Es gibt auf Korsika keine speziell ausgewiesenen Radrouten. Hinweise zu möglichen Reiserouten und touristischen Zielen finden sich in den Beschreibungen der einzelnen Regionen.

Klima und Reisezeit

Juni bis August sind die Monate mit den geringsten Niederschlagswerten, Juli und August zudem die Monate mit den höchsten Durchschnittstemperaturen (23 °C in Bastia), wobei die Spitzentemperaturen 30 bis 40 Grad betragen können. Unnötig zu erwähnen, dass Juli und August Hochsaison auf Korsika ist. Im zentralen Bergland beobachtet man auch an schönen Sommertagen oft Wolkenbildung ab den Mittagstudunden. Es kann dort also zu Bewölkung oder Regengüssen kommen, während an der Küste zugleich das schönste Wetter herrscht.

Im Sommer sollte man darauf achten, genug Trinkwasser mitzuführen. In Dörfern findet man oft Brunnen mit Trinkwasser, teilweise auch an den Straßen im Bergland, aber in unregelmäßigen Abständen. Wer der Hitze entgehen will, sollte die frühen Morgenstunden nutzen. Um sieben Uhr morgens ist es im Sommer bereits angenehm warm, die Hitze macht einem erst ab elf Uhr zu schaffen.

Sprache und Kultur

Megalith-Statue in Filitosa

Korsika ist mindestens seit dem achten Jahrtausend vor Christus besiedelt. Auf der Insel findet man Spuren großer geschichtlicher Spannbreite, von der Megalithkultur (Filitosa, Cucuruzzu), der Römerzeit (Aléria), der frühchristlichen Zeit (z.B. Kathedralen von Sagone und Mariana), oder der pisanischen und genuesischen Herrschaft (Wachtürme an der Küste). Erst seit 1769 gehört Korsika zu Frankreich. Zuvor war es - unter Rom, Pisa, Genua oder kurzzeitig unabhängig - dem italienischen Kulturkreis zugehörig. Dies macht sich noch heute an den Ortsnamen und an der korsischen Sprache bemerkbar, die mit mittelitalienischen Dialekten verwandt ist.

Im Alltag dominiert das Französische, was auch alleinige Amtssprache ist. In touristischen Einrichtungen dürfte man auch mit Italienisch gut klarkommen, da dies die zweitwichtigste Touristengruppe ist. Die korsische Sprache begegnet dem Reisenden zuvorderst als Vehikel für Fremdenfeindlichkeit: Auf Ortsschildern werden französische Ortsnamen (die eigentlich die genuesischen sind) überschmiert und mit dem Zusatz IFF (d.h. Franzosen raus) versehen.

Die heutigen Gemeindegrenzen gehen auf historische Verhältnisse zurück: Da die Küste oft Überfällen von Piraten oder feindlicher Soldaten ausgesetzt war, siedelten sich die Bewohner auf Bergdörfern im Hinterland an; von dort reichen die Gemeindegebiete in einem schmalen Streifen bis zum Meer. Die Entwicklung moderner Bade- und Hafenorte, die inzwischen um ein Mehrfaches größer sind als das ursprüngliche Gemeindezentrum, hat an den Grenzen nichts geändert. So gehört beispielsweise Sagone zu Vico, Porticcio zu Grosseto-Prugna oder Pinarellu zum 20 km entfernten Zonza.

Infos für die Reise

Anreise per Fähre

Fähren vor Anker in L'Île-Rousse

Corsica Ferries fahren von Toulon, Nizza, Savona und Livorno nach Korsika, Ankunftshäfen sind Ajaccio, Bastia, Porto-Vecchio und L'Île-Rousse, auch Nachtfähren. Fahrradbuchung problemlos möglich - erst die Verbindung aussuchen, dann als Verkehrsmittel Fahrrad wählen (allerdings nur eins pro Buchung).

Die halbstaatliche Fährgesellschaft SNCM hat 2016 ihren Betrieb eingestellt. An ihre Stelle ist Corsica Linea getreten, die Korsika in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft La Méridionale bedient. Weitere Fährverbindungen werden von Moby Lines angeboten. Auf dem Webseiten dieser Gesellschaften sind Fahrräder als Fahrzeugoption nicht direkt buchbar (Stand Anfang 2017).

Öffentliche Verkehrsmittel

Auf Korsika gibt es ein dünnes Eisenbahnnetz, das die Städte Ajaccio, Bastia und Calvi verbindet. Die Züge der korsischen Eisenbahnen nehmen keine Fahrräder mit, nicht einmal verpackt (Quelle).

Campingplätze

Die Campingpreise sind saisonabhängig, wobei Juli und August als Hochsaison gelten. In jener Hochsaison zahlt man (Stand 2015) als Einzelperson mit Fahrrad und Zelt zwischen 10 und 15 Euro. Der Boden ist meist trocken und hart, die Heringe müssen in den Boden eingeschlagen werden. Dafür ist morgens das Zelt trocken.

Vor dem Eintragen neuer Plätze bitte die Hinweise auf Empfehlenswerte Campingplätze beachten.
Siehe auch die allgemeinen Bemerkungen zu Campingplätzen in Frankreich.

  • 20124 Zonza Camping Bavella Vista Route de Quenca, Telefon +33 (0)6 24 35 56 08. Der Name ist Programm, Campingplatz z. T. mit Blick auf die Bavella-Gipfel. Nah am Ort, schattig, saubere sanitäre Anlagen. Preis für ein Zelt, eine Person im September 2010: 7,00 EUR Karte (2010, Holger)
  • 20134 Palneca Relais San Petru. Auf dem Col de Verde (1289 m) gelegen, wo die Straße den GR20 kreuzt. Einfacher Campingplatz, hauptsächlich von Wanderern frequentiert, kein Zugang für Autos. Am Südhang im Wald gelegen mit Flachstellen gerade groß genug für ein Zelt. Warmes Abendessen (Menü) und Halbpension möglich. Karte (2015, StefanS)
  • 20169 Bonifacio Camping Pian del Fosse. Sehr ruhig etwa 4 km außerhalb von Bonifacio gelegen. Preis für eine Person mit Rad und Zelt je nach Saison 8,90 bis 11,50 EUR. Karte (2015, StefanS)
  • 20260 Calvi - Argentella Camping La Morsetta Route de Calvi-Porto, Telefon +33 (0)4 95 65 25 28. An der Küstenstraße zwischen Calvi und Porto, direkt an einem sehr schönen Kieselstrand. Großartige Lage! Kleiner Laden, Preise entsprechend der Abgeschiedenheit recht hoch. Preis für ein Zelt, eine Person im September 2010: 13,17 EUR Karte (2010, Holger)

Kartenmaterial

Es gibt eine Michelin-Karte (345) im Maßstab 1:150.000, die alle Straßen in Korsika anzeigt. Man kann sie vor Ort im Buchhandel erwerben. Wer Höhenlinien haben möchte, greift besser zu den IGN-Karten im Maßstab 1:100.000, allerdings braucht man davon zwei (Nord und Süd).

Regionen

Für die geographische Einteilung der Insel ist oft von Mikroregionen die Rede; dieser Begriff wird informell und uneinheitlich verwendet. Mal werden darunter naturräumliche Einheiten verstanden, mal die historischen Kirchspiele (pievi, sing. pieve), von denen es etwa 60 gibt und die bis 1973 Grundlage der Verwaltungseinteilung in Kantone waren.

Im Folgenden werden einige Regionen aus der Sicht des Radreisenden mit Tips zu möglichen Routen beschrieben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Rund um Bastia

Mittagessen am Gouverneurspalast

Bastia ist ein wichtiger Fährhafen und Hauptort der Nordhälfte Korsikas, mit viel Verkehr. Südlich vom Hafen liegt die Innenstadt bestehend aus Altstadt und Zitadelle. Die Nationalstraße unterquert diese in einem langen Tunnel, der aber für Fahrräder gesperrt ist. Vom Hafen nach Norden herrscht auf der Küstenstraße viel Verkehr, der ab Erbalunga spürbar nachlässt.

Nach Süden hin erstreckt sich der Ballungsraum über Biguglia und Borgo bis zum Fluss Golo. Es gibt zwei Möglichkeiten, der autobahnartigen N193 aus dem Weg zu gehen:

  • Die D107 zwischen Strand und Étang de Biguglia. Südlich des Étang, am Ufer des Golo, liegt die Kathedrale der ansonsten verschwundenen Römerstadt Mariana.
  • Die D464 (Route Impériale) westlich und parallel zur N193 bis Biguglia. Südlich von Biguglia kann man sich östlich der N193 auf Schleichwegen bis zum Golo durchschlagen.

Wer Steigungen nicht scheut, kann auf der D31 die Bergdörfer im Norden und Osten von Bastia erkunden. Diese steigt bis auf 370 m Meereshöhe an, dafür hat man einen majestätischen Ausblick über Bastia und die Küste sowie zu den Inseln Capraia und Elba, dazu entgeht man der Hektik an der Küste. Auf der D64/D164 kommt man zum Bergdorf Cardo, dem ältesten Stadtteil Bastias; neben der Kirche findet man einen Trinkwasserbrunnen.

Cap Corse

An der Westküste nahe Nonza

Cap Corse ist der Name der Halbinsel im Nordosten Korsikas. Die Straße an der Ostküste nördlich von Bastia stellt keine besonderen Ansprüche, sie verläuft meist direkt am Meer. Der einzige alte Ortskern an der Ostküste ist Erbalunga, bei den übrigen Orten handelt es sich um moderne Hafenorte, die aus den Anlegestellen der im Landesinneren liegenden Dörfer entstanden sind. Immerhin kriegt man einige der genuesischen Wachtürme zu sehen, die die gesamte Insel umziehen.

Im Norden lohnt es sich, statt der D80 die Nebenstraße D353 durch das Kirchdorf Bettolacce zu nehmen. In beiden Fällen steigt die die Straße kontinuierlich an bis zum Col de Serra (365 m). Während der Abfahrt zur Westküste hat man die Möglichkeit, auf einer schmalen, kurvigen Straße einen Abstecher zum charmanten Fischerort Centuri-Port zu machen, freilich auf Kosten von 200 m Höhenverlust, den man nach Morsiglia hin wieder wettmachen muss.

Die Westküste ist der landschaftlich interessanteste Abschnitt. Die Straße führt mehrfach ans Meer hinunter und wieder um 100 bis 200 m hinauf, wobei man schöne Ausblicke auf Meer und Berge zugleich hat. Alternativ kann man die D33 fahren, die etwas höher am Berg entlang führt bis zu 300 m Höhe. In jedem Fall kommt man durch mehrere charmante Bergdörfer, meist mit öffentlichen Brunnen, wovon das bekannteste Nonza ist. Unterhalb des Orts erstreckt sich ein einzigartiger grauer Strand, der seine Farbe dem ehemaligen Asbest-Steinbruch verdankt (angeblich besteht keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit).

Wer die Schleife schließen und nach Bastia zurückkehren möchte, kann dies auf der D81 über den Col de Teghime (536 m) tun, nicht ohne zuvor die Weinberge (und deren Produkte) von Patrimonio zu bewundern. Am Col besteht die Möglichkeit, auf einer steilen und holprigen Stichstraße den Gipfel des Serra di Pigno zu erklimmen. Der Lohn ist ein phantastischer Rundumblick über Bastia und den Étang de Biguglia zur einen sowie St-Florent, das Nebbio und die Agriates.

Die oben beschriebene Schleife - ohne zusätzliche Abstecher - hat eine Länge von 120 km. Die Küstenstrecke alleine, ohne die Rückkehr nach Bastia, beträgt 100 km.

Nebbio

Kirche San Michele bei Murato

Das Nebbio ist eine natürliche Region, die sich um den Golf von St-Florent gruppiert. Im Hauptort St-Florent findet man eine Zitadelle und die seit langem unbenutzte Kathedrale. Die übrigen Orte der Pieven von Oletta, Murato und Tenda gruppieren sich wie in einem Amphitheater rund um eine kleine Ebene südlich von St-Florent, mit Blick auf den Golf.auf Höhen von 200 bis 500 m. Der höchste Punkt ist bei Murato erreicht, wo sich die touristische Hauptattraktion der Gegend befindet, die aus schwarz-weißem Mauerwerk bestehende Kirche von San Michele.

Westlich davon befindet sich die unbewohnte Region Agriates, unbewohnt und komplett von Sträuchern und Buschwerk bewachsen. Die einzige Straße ist die D81, die die Gegend von Osten nach Westen durchquert. Ansonsten gibt es diverse Pisten, die sich mit geeigneten Fahrrädern befahren lassen, ausreichenden Wasservorrat vorausgesetzt (Reisebericht im Forum).

Balagne

L'Île-Rousse und Hinterland

Balagne heißt die bergige Küstenregion im Nordwesten Korsikas, deren Hauptorte die Häfen Calvi und L'Île-Rousse sind, beides mögliche Ausgangspunkte für eine Korsika-Reise. Die Nationalstraße N197, teils mit breitem Randstreifen versehen, verläuft mit einigem Auf und Ab entlang der Küste, bei Lumio erreicht sie 180 m Meereshöhe.

Das Bergland besteht aus mehreren Talkesseln, die sich zum Meer öffnen und nach Süden durch durch das Massiv des Monte Grosso begrenzt sind. Es handelt sich um offenes Gelände mit viel Aussicht aufs Meer und auf die Berge. Die Dörfer thronen entweder stolz auf ihren eigenen Hügeln (z.B. Sant'Antonino oder Speloncato) oder sitzen in "Balkonlage" am Hang und sind durch Straßen miteinander verbunden. Eine besondere Rolle kommt dem Col de San Cesareo bei Cateri zu, wo mehrere Höhenstraßen aufeinander treffen:

  • Von Belgodère bis Cateri umrundet die D71 auf 300 bis 400 m Höhe den weiten Talkessel des Regino mit dem See von Codole.
  • Die D263 von Monticello bis Corbara auf 200 bis 300 m verläuft auf den Höhen rund um L'Île-Rousse, auf der D151 und der D71 geht es über Cateri nach Lumio rund um das Tal von Aregno.
  • Auf der D151 von Cateri nach Westen überwindet man zunächst knapp 200 m Steigung zum Bocca di Salvi, anschließend umrundet die Straße das Tal von Calenzana, allerdings im südlichen Abschnitt abflachend und daher nicht mehr mit derselben "Balkonoptik".

Das südlich des Bocca di a Battaglia – ein Pass mit steilen Abschnitten und schlechter Straßenoberfläche – gelegene Giussani gehört zum Landesinneren und im strengen Sinne nicht mehr zur Balagne, ebenso wie das östlicher gelegene Ostriconi. Aus touristischen Gründen werden sie trotzdem gelegentlich unter dieser Bezeichnung subsumiert. Achtung, die Gegend zwischen Balagne/Giussani und dem Ostriconi ist nicht umsonst fast unbesiedelt, die Flüsse neigen im Sommer zum Austrocknen, und es ist schwer, hier Wasser zu finden.

Castagniccia

Typisches Castagniccia-Dorf

Die Castagniccia liegt im Gebirgsmassiv, das südlich von Bastia zwischen der Küste und dem Tal des Golo liegt. Zur eigentlichen Castagniccia gehört nur das Innere des Massivs, traditionell werden dazu die drei Kirchspiele Alesani, Orezza und Ampugiani gerechnet. Das Alesani liegt am Nordhang des gleichnamigen Tals im Süden der Region, Orezza und Ampugiani mit den Hauptorten Piedicroce bzw. La Porta gruppieren sich rund um das das Tal des Fium'Alto.

Landschaftlich kann die Castagniccia als Gegenentwurf zur Balagne verstanden werden: üppig bewaldet statt felsig, geschlossen im Landesinneren statt geöffnet zum Meer. Höhenmeter hat es allerdings in beiden reichlich. Den Namen hat die Landschaft von den Kastanienwäldern, die früher den Reichtum der Region ausmachten. Das typische Castagniccia-Dorf besteht aus einer Häuserzeile, talseits der Straße auf einem Bergsporn angelegt.

Einen guten Eindruck von der Gegend kann man sich entlang der Höhenstraße machen, die in Cervione beginnt, welches selbst nicht zur Castagniccia gehört, auf etwa 350 m noch mit Meerblick gelegen. Von dort folgt man der D71 ins Landesinnere. In dieser Gegend stößt man hier und da auf die Spuren des roi Théodore, eines deutschen Abenteurers, der im 18. Jahrhundert kurzzeitig König von Korsika. Bis kurz vor Ortale hat man keine nennenswerte Steigung zu überwinden. Dann beginnen die Kastanienwälder, und die Straße steigt kontinuierlich bis zum Col d'Arcarota auf 819 m. Am Col d'Arcarota wechselt man ins Orezza und kommt nach Piedicroce, mit viel Aussicht unterwegs. Wieder bergauf bis zum Col St-Christophe, und dort auf der D515 über La Porta zum Col St-Antoine, dann weiter auf der D237 mit großartigem Panorama. Leider sind Campingplätze rar gesät, der einzige der Gegend scheint in Pruno zu sein, tief unten im Tal. Als günstige Alternative gibt es einige Gîtes d'étape, u.a. in Piedicroce.

Am Col de Sant'Agostino endet die Castagniccia und beginnt die Casinca, landschaftlich ähnlich, aber dem Meer zugewandt, mit Dörfern in Balkonlage wie Loreto (mieser Belag auf der D6 oberhalb des Dorfs), Penta, Venzolasca oder Vescovato mit seiner Kathedrale.

Rund um Corte

Corte

Corte ist der größte Ort im Landesinneren. Eine Senke in Nord-Süd-Richtung, markiert durch die Flüsse Golo und Vecchio, bündelt die Wege durchs nördliche Bergland. Sie ist Teil der Verkehrsverbindung Bastia–Ajaccio (N193) und steigt von Ponte-Leccia (200 m ü.d.M.) über Corte bis zum Col de Vizzavona (1163 m) an. Nördlich von Corte scheint der Verkehr intensiver zu sein als südlich davon. Von Ponte-Lecchia nach Corte ist die D18 eine ruhigere Alternative. Südlich von Corte gibt es keine direkte Alternative zur N193. Die stärksten Steigungen sind rund um Vivario, der Rest der Steigung zum Col dann erträglich.

Die drei großen Seitentäler westlich der Hauptachse verdienen Erwähnung:

  • Das Restonica-Tal beginnt bei Corte; die Stichstraße steigt auf 15 km von ca. 400 auf knapp 1400 m an, mit mehreren steilen Abschnitten. Endpunkt der Straße sind die Bergeries de Grotelle (für Autos ein wenig unterhalb davon), hier besteht Einkehrmöglichkeit. Die Bergeries de Grotelle sind ein Ausgangspunkt für Wanderungen, außerdem ist das Restonica-Tal für seine Bademöglichkeiten bekannt. In der Hauptsaison kommen viele Touristen hierher, es ist angeraten, einen Besuch in den frühen Vormittag zu legen. Vorsicht ist angeraten, da die Straße sehr schmal ist und der eingezeichnete Mittelstreifen trügerische Sicherheit vermittelt: Autos sind zu breit dafür und müssen die Gegenspur mitbenutzen. Vorsicht daher insbesondere bei der Abfahrt in engen Kurven.
  • Das Tal des Golo beginnt bei Francardo, ist aber auch über die D18 von Ponte-Leccia und Corte zu erreichen, jeweils unter Zuhilfenahme eines Zwischenpasses. Erster landschaftlicher Höhepunkt ist die Schlucht namens Scala di Santa Regina. Oberhalb davon liegt die Region Niolo mit Hauptort Calacuccia, und die Straße führt weiter hinauf bis zum Col de Vergio (1477 m). Obwohl es sich um den höchsten der Pässe über den Hauptkamm handelt, ist er einer der einfachsten, da die Steigung auf beiden Seiten kaum einmal 5 % überschreitet. Von hier hat man Zugang zur Westküste auf Höhe des Golfs von Porto.
  • Drittes und nördlichstes der Seitentäler ist das von Asco, das bei Ponte-Leccia beginnt. Der interessanteste Teil ist die tiefe und enge Schlucht ab dem Abzweig nach Multifao und bis zum Ort Asco. Auch hier ist in der Hochsaison anzuraten, früh am Tag zu kommen, um den Ort zu genießen: Ab dem späten Vormittag ist das Tal gerammelt voll, und es wird geparkt, wo es nur irgend geht; Staus sind keine Seltenheit. Oberhalb von Asco kann man noch weiter bis Haut-Asco klettern, wo es Anschluss an den Wanderweg GR20 gibt, allerdings ist die Landschaft entlang der Straße nicht mehr so spektakulär.

Von den übrigen Straßen der Gegend ist vielleicht noch erwähnenswert, dass die Straße zum Col de Sorba (Vivario–Ghisoni) in den letzten Jahren erneuert wurde. Die Nordrampe bietet ein schönes Panorama über das Tal des Vecchio.

Westküste

Calanche von Piana

Die Westküste zwischen Calvi und Piana gehört zu den landschaftlichen Höhepunkten der Insel. Der Golf von Porto mit seiner Umgebung gehört zum Weltnaturerbe der Unesco.

Ausgehend von Calvi verläuft die D81B zunächst direkt am Meer mit schönen Ausblicken über die Buchten und die Revellata-Halbinsel, auf Höhen bis 150 m. Die Straße ist relativ ruhig, da der Hauptverkehr auf der landeinwärts verlaufenden D81 unterwegs ist - und wohl auch, weil die südliche Hälfte der Küstenstraße in schlechtem Zustand ist. Zwischen Calvi und Galéria ist die Gegend sehr dünn besiedelt, auf halber Höhe bei San Quilico und Argentella findet man dennoch ein paar Restaurants und einen Campingplatz.

Von Galéria geht es auf den Col de Palmarella (408 m), die Steigung hält sich konstant bei 4 %. Von der Passhöhe hat man einen ersten Ausblick über den Golf von Girolata. Der Ort selbst ist nur zu Fuß oder übers Meer zu erreichen. Am Col de la Croix erreicht man den Golf von Porto. Die letzten Kilometer vor Porto schlängelt sich die Straße an einem Steilhang mit rötlichen Granitfelsen entlang.

Porto ist das touristische Zentrum der Westküste (u.a. mehrere Campingplätze). Von hier führt eine Straße ins Landesinnere, hinauf nach Évisa und zum Col de Vergio (1477 km); auf 32 km steigt sie stetig an, aber nie mit mehr als 5-6 %. Weiter an der Westküste führt die D81 hinauf nach Piana mit den berühmten Calanche, bizarr geformte rötliche Felsen. Das Touristenaufkommen lässt es attraktiv erscheinen, diesen Ort morgens aufzusuchen, jedoch steht dann die Sonne schlecht, allerdings liegt dann ein großer Teil der Felsen im Schatten; nachmittags und abends sind bessere Zeitpunkte für Fotos.

Ab Piana bzw. dem Col de Lava (491 m) führt die D81 durchs Landesinnere, lange bergab und mit nur einer kurzen Zwischensteigung nach Cargèse, für sein griechisches Erbe samt orthodoxer Kirche bekannt. Dann geht es auf 20 km bis Tiuccia in geringer Höhe direkt an der Küste entlang; hier scheint ein höheres Verkehrsaufkommen zu herrschen, da sich hier mehrere große Strände befinden. Über dden Col de San Bastiano (411 m) erreicht man die Umgebung von Ajaccio.

Rund um Ajaccio

Ajaccio ist die Inselhauptstadt, mit entsprechendem Verkehrsaufkommen. Am Hafenbecken besteht auf ca. 500 m Länge ein Radweg an der Promenade, zusammen mit seinem Gegenstück in Bastia wohl der einzige in Korsika - eine Kuriosität ohne echte Konsequenz.

Um Ajaccio nach Osten zu verlassen, wird man kaum um die N193 bzw. N196 herumkommen, mit dichtem Verkehr, auch LKW; meistens kann man den Seitenstreifen nutzen. Auf Höhe Bastelicaccia, zwischen dem Abzweig der D3 und der Brücke über den Prunelli, ist die Straße für Fahrräder verboten, aber es besteht parallel dazu eine Alternative (auf der Michelin-Karte nicht erkennbar).

Südlich des Prunelli erstrecken sich fast 15 km ununterbrochene Badeorte, statt Naturschönheit gibt es hier eher Staus. Immerhin stehen mehrere Campingplätze zur Auswahl.

Südliches Bergland

Col de Bavella

Das Landesinnere südlich und westlich des Hauptkamms ist kleinteilig gegliedert, im Folgenden nur einige Bemerkungen zu den wichtigsten Passstraßen:

Im Südosten zählt der Col de Bavella (1218 m) zu den landschaftlich schönsten Passstraßen der Insel. Das finden auch die meisten anderen Touristen, die Nordrampe wird tagsüber von Wanderern und Badefreunden bevölkert. Von der Passhöhe mit den bizarren Felsspitzen kann man bis zum Meer schauen. Südlicher Ausgangspunkt zum Pass ist Zonza, zur Region Alta Rocca gehörig. Die D420 verbindet den oberen Abschnitt der Region von Zonza bis Aullène mit relativ moderaten Höhenunterschieden, die Straße bleibt zwischen 800 bis 1100 m.

Querverbindung von Aullène nach Zicavo im oberen Tal des Taravo ist der Col de la Vaccia. Die Straße war vor einigen Jahren noch eine bessere Piste, ist inzwischen (Stand 2015) neu asphaltiert worden. Der Aufstieg zieht sich auf beiden Seiten bei maximal 4 % sehr in die Länge. Der Col de Verde (1289 m) ist wohl der abgelegenste der vier Pässe über den Hauptkamm. Die Straße liegt vollständig im Wald, die Steigung bleibt auf der Südseite bei maximal 4 %, auf der Nordseite bei höchstens 6 %.

Keinen direkten Übergang gibt es zwischen den oberen Talbereichen von Taravo (bei Zicavo) und Prunelli (bei Bastelica). Bastelica ist vor allem als Heimatort des Volkshelden Sampiero Corso bekannt. Von Bastelica geht es über den Col de Scalella (1193 m) ins Tal der Gravona, hier mit Steigungen bis 7 % (Südseite) bzw. 9 % (Nordseite).

Nördlich der Inseltransversalen N193 schließt sich Vico mit seinem Hinterland an, das über mehrere Seitentälern des Liamone verteilt ist. (Die D1 von Arro hinunter zum Liamone war 2015 in sehr schlechtem Zustand.) Der Col de Sevi (1101 m) schließlich führt ins Tal von Évisa (siehe Westküste). Die Südseite des Passes weist zwei steile Rampen auf, die erste auf Höhe von Vico, die zweite kurz vorm Pass. Die Nordseite hat erträglichere Steigungen.

Südspitze

"Schwebende Häuser" in Bonifacio

Im Suden der Insel zwischen Sartène, Bonifacio und Porto-Vecchio sind N196 (Südwestküste) und N198 (Ostküste) die einzigen durchgehenden Straßen. Allerdings ist der meiste Verkehr dem Tourismus nach Bonifacio geschuldet. Die Verkehrsbelastung lässt sich also reduzieren, indem man antizyklisch fährt: abends in Richtung Bonifacio, wenn die meisten von dort wegfahren, und vormittags umgekehrt.

Bonifacio ist die südlichste Gemeinde der Insel und ein - jedenfalls für Frankreich - einzigartiger Ort: gelegen auf einem Felsen aus weißem Kalkstein, der sich als Halbinsel ins Meer schiebt und bis zu 70 m senkrecht abfällt - noch überhöht von den Häusern, die direkt an den Abhang gebaut sind. Ein Besuch empfiehlt sich insbesondere am frühen Morgen, wenn die Straßen noch leer und die Temperaturen erträglich sind.

Auf der N196 Richtung Sartène sind in Küstennähe ein paar langgezogene Steigungen zu bewältigen, die aber erst bei Roccapina 150 m erreichen. Im Landesinneren kann man einen Teil der Nationalstraße durch die D250 bzw. D50 ersetzen (sehr schmale und renovierungsbedürftige Straße im oberen Bereich). Die N198 nach Porto-Vecchio ist schnurgerade und nach korsischen Verhältnissen quasi flach, sie hat nur drei Steigungen auf 90, 45 und 69 m respektive. Es sei noch angemerkt, dass die D468 von Porto-Vecchio nach Pinarellu, obwohl Nebenstraße, stark befahren sein kann der Strände wegen. Die D168 nördlich von Conca wird bei Michelin als "ohne Straßenbelag" geführt, ist aber völlig normal asphaltiert.

Weblinks

Externe Links:

  • Korsika - Reiseführer auf Wikivoyage

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