Reifen

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Dieser Artikel basiert auf der Radreise-FAQ, dem Vorgänger dieses Wiki. Die erste Version des Artikels spiegelt den originalen Wortlaut aus der FAQ wider und muss ggf. entsprechend überarbeitet werden.

(auch Mantel, selten Decke genannt)

Die Reifenbreite

Die Reifenbreite ist ein vieldiskutiertes Thema im Forum, eine Umfrage ergab ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis von Fahrern mit dünnen zu breiten Reifen. Die Frage nach der besten Reifenbreite ist so einfach nicht zu beantworten, denn es hängt ab von:

  • Felgenbreite
  • Fahrradtyp
  • Durchschnittsgeschwindigkeit
  • Fahrbahnbelag
  • persönlichen Vorlieben

Felgenbreite

[Empfehlungen für Tandems:] Ein Reifen ist im Optimalfall nur wenige Millimeter breiter als die Felge, auf der er montiert wird. Der Grund ist, dass ein Reifen besser auf der Felge hält, wenn die Felgenwand (Bremsflanke) und die Reifenwand möglichst parallel zueinander laufen.

Wenn der Reifen zu breit ist (mehr als doppelt so breit wie die Felge), wird er bei hohem Luftdruck die Felge langsam aber sicher verbiegen und einreissen lassen. Das hat einen teuren und arbeitsintensiven Felgenschaden zur Folge, der unterwegs nicht zu beheben ist (Werkstatt). Unter Umständen platzt der Schlauch gleich mit, was gefährliche Stürze zur Folge haben kann.

Der zu breite Reifen wird durch die schmale Felge auch stärker gebogen, wodurch die Reifenflanke beim Walken stärker belastet wird, was bei hoher Belastung des Reifens zu Flankenbruch, und dabei auch zu einem Schlauchplatzer führen kann.

Wenn der Reifen zu schmal ist (schmaler als die Felge), kann er sich nicht auf der Felge halten und wird beim Bremsen das Ventil abreissen. Das kommt sehr selten vor, ist aber auch gefährlich.

Bei einem möglichst dünnen Reifen auf möglichst breiter Felge kommt auch mehr Anteil der Lauffläche des Reifens in Bodenkontakt, was den Verschleiß verlangsamt. Fährt man jedoch Pisten mit sehr Reifen-abnutzenden Oberflächen, führt der gegenteilige Effekt, dünnste Felge für breitestmöglichen Reifen, dazu, dass die Lauffläche nach oben gezogen wird und so die Flanke vor Beschädigung durch Steine u.ä. schützt.

Bei optimalem Verhältnis von Felgen- zu Reifenbreite kann der auf dem Reifen angegebene Maximaldruck problemlos genutzt werden. Dann rollt dieser Mantel auf festem Untergrund am leichtesten. Bei der Wahl der Reifen-Felgen-Kombination für Tandems hilft die ETRTO/DIN 7800. Für "normale" Fahrräder siehe Wikipedia und auf der Schwalbe Seite Rubrik "Welcher Reifen passt auf welche Felge?"

Fahrradtyp

Bei der Wahl der Reifenbreite muss auch darauf geachtet werden, daß der Reifen nicht nur breiter, sondern auch höher wird. Dies kann Probleme beim Einbau in dafür nicht vorgesehene Rahmen und Gabeln bedeuten. Zum Beispiel passt in eine 26" Triathlongabel auf keinen Fall ein 26" MTB-Reifen, weil er zu breit und zu hoch ist. Auch passt der Reifen befüllt (mit Luft) nicht durch die Felgenbremsen an dieser Gabel. Man muss also vorher genau prüfen, ob Fahrrad und Reifen zusammenpassen. Das klingt banal, wird aber oft übersehen.

Durchschnittsgeschwindigkeit

Man hört oft von den schnellen Rennradreifen. Diese sind aber nicht bei jeder Geschwindigkeit die schnellsten. Denn breite Reifen haben bei identischem Luftdruck und gleichem Aufbau (gleiches Reifenmodell) einen niedrigeren Rollwiderstand als schmalere Reifen. In der Realität haben breite Reifen einen anderen Aufbau (mehr Profil, mehr Gummibelag auf der Karkasse, steifere Karkasse, mehr Pannenschutzschicht) und auch Hochdruckbreitreifen haben mehr Rollwiderstand. Hier ist die Industrie gefragt, mehr Leichtlaufreifen in breiteren Größen anzubieten.

Jedoch haben schmale Reifen einen geringeren Luftwiderstandswert und ausserdem eine geringere Masse. Bei einem Laufrad gilt der Radfahrerspruch, Laufradmasse fühlt sich an wie die doppelte Masse am Rahmen. Je weiter weg die Masse von der Nabe ist, desto mehr Einfluss hat sie, deshalb lohnt es sich an dem äußersten Laufradteil zuerst zu sparen. Dies wirkt sich allerdings nahezu nur beim Beschleunigen und, in geringerem Maß, bei Bergfahrten aus.

Bei eher gemütlicher Fahrt (unter ca. 20 km/h), wie oft auf Radfernwegen üblich, ist es durchaus sinnvoll, einen breiten, leichtlaufenden Slick-Reifen zu verwenden, da hier der Rollwiderstand eine größere Rolle spielt, als der Luftwiderstand oder die Trägheit der rotierenden Masse. Vertretbare Folgen sind besserer Geradeauslauf und schlechteres Kurvenverhalten bei höherer Geschwindigkeit.

Wer oft sehr schnell fährt (z.B. mit Gepäck bis 15 kg auf dem Randonneur oder auf gut asphaltierten und schlaglocharmen Wald- und Radwegen mit dem sportlichen Reiserad) sollte eher schmale Reifen wählen. Je schmaler ein Reifen ist, desto mehr Druck verträgt er. Dadurch wird er schneller als der breite Reifen. Der geringere Luftwiderstand wirkt sich erst bei Geschwindigkeiten > 30 km/h aus.

Fahrbahnbelag

Spezieller Mantel für speziellen Fahrbahnbelag

Bekanntlich haftet auf der Straße nicht das Profil sondern der Gummi. Auch auf trockenen Feld- und Waldwegen mit fester Oberfläche wird kein Profil benötigt. Profil ist bei weichen und bei lockeren Wegoberflächen sinnvoll, wie z.B. Kies oder Sand. Man sollte also den Reifentyp je nach Reiseziel wählen. Bei Profilreifen gibt es sehr große Unterschiede, je nach Stollenanordnung. Für Radreisen kommen eher Reifen mit feinen Stollen in Frage. Je dichter die Stollen in der Reifenmitte zusammen stehen, desto besser ist der Fahrkomfort auf Asphalt. Semisliks treiben es auf die Spitze und haben nur seitlich Stollen. Sehr grobe Stollenreifen haben einen hohen Rollwiderstand und erzeugen auf Asphalt Geräusche. Stollenreifen mit hohen Stollen sind auch ohne Pannenschutzeinlagen sehr pannensicher.

Aus Komfort- und Bodenhaftungsgründen wird man bei schlechtem Untergrund (Gelände, grobe Schotterwege, häufige Kopfsteinpflasterstrecken, etc.) eher mit einem geringeren Luftdruck fahren. Um Durchschläge der Felge auf den Boden zu verhindern, empfiehlt es sich, wegen der Belastungen auf Reise einen breiteren Reifen zu benutzen. Dieser hat mehr Federweg, also Sicherheitsreserven. Außerdem sind breite Reifen mit Stollenprofil bei schlechten Pisten robuster. Durch einen breiten Reifen verbessern sich die Bodenhaftung und der Komfort noch zusätzlich zum angepassten Luftdruck.

Je mehr man auf Asphalt und einigermaßen glatten Wald-, Feld- und Radwegen fährt, desto eher kann man auch Reifenbreiten < 37 mm in Erwägung ziehen. Es gibt tandemtaugliche Reifen, also durchaus für größere Beladung geeignet, in Rennradbreiten mit Pannenschutzschicht.

Es gibt Fahrer, die mit solchen Reifen ohne erhöhte Pannenneigung schlechte Pisten fahren, schlechte Wege durch Fahrtechnik ausgleichen und den Komfortfaktor "Leichtlauf und geringes Gewicht" bevorzugen und Fahrer die auf schlechten Pisten den Komfortfaktor "Federweg und Robustheit" von breiten Reifen bevorzugen und sich so weniger auf die Fahrtechnik konzentrieren müssen.

Persönliche Vorlieben

Es gibt Wege, auf denen man die Vorteile des breiten Reifens zwingend benötigt. Und es gibt Reisen, bei denen man diese Vorteile so selten benötigt, dass die Nachteile schwerer wiegen. Entscheidend ist das Reiseziel und vor allem wie man selbst die Vor- und Nachteile gewichtet. Das erfährt man am besten selbst.

Reifen bestimmen in großem Maße die Fahreigenschaften des Rades, aber natürlich spielt auch der persönliche Geschmack und die Optik eine Rolle. Jedem steht es frei, unter Beachtung der oben genannten Punkte einen gefälligen Reifen zu montieren, der zu einem selbst und zum Fahrrad passt. Denn nur, wenn einem das Rad gefällt, fährt man auch damit.

siehe auch