Pays de la Loire

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Lage der Region

Bei Pays de la Loire handelt es sich um eine Region im Nordwesten Frankreichs, deren Hauptstadt Nantes ist. An der namensgebenden Loire liegt nur ein kleiner Teil der Region, andere Abschnitte liegen teils weit nördlich oder südlich davon.

Vorstellung der Region

Typische Fischergalgen an der Küste

Bei der Aufteilung Frankreichs in Regionen waren die Pays de la Loire wohl irgendwie das, was noch übrig war: Weder historisch noch geographisch bilden sie eine Einheit. Die einzelnen Gebietsteile gehören den alten Provinzen Bretagne, Poitou, Anjou und Maine an.

Von touristischem Interesse dürften in erster Linie Loire und Atlantikküste sein. Die Gebiete im Hinterland haben als eigenständige Reiseziele zu wenig zu bieten. Radreisende werden sie eher als Etappe zwischen anderen Regionen kennenlernen und sich dann über viele ruhige Landstraßen freuen. Die meisten Gebiete liegen unter 100 m Meereshöhe, und nur selten über 150. Dennoch ist es nie so recht flach, sondern leicht hüglig.

In der französischen Revolutionszeit fanden unter der Bezeichnung Vendée-Krieg und Chouannerie mehrere Aufstände gegen die Republik statt, die große Teile der Region betrafen und brutal niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Denkmäler und andere Spuren zeugen heute davon.

Die Bevölkerungsdichte der Region liegt mit etwa 110 Ew/qkm knapp über dem französischen Durchschnitt, wobei die Loire-Achse stärker und der Rest schwächer besiedelt ist. Zum Region gehören die Départements Loire-Atlantique, Maine-et-Loire, Mayenne, Sarthe und Vendée. Davon liegen die beiden ersten an der Loire, die beiden nächsten nördlich davon und Vendée wiederum südlich davon.

Loire-Atlantique

Segelschiff in Pornic

Das Département liegt an der Loiremündung und hat touristisch wohl am meisten zu bieten. Historisch gehört es zur Bretagne, in seinem Hauptort Nantes steht die ehemalige Herzogsburg. Mit den Machines de l'Île beherbergt Nantes zusätzlich eine moderne, eher unkonventionelle Attraktion.

Eine geographische Hauptachse ist die Loire, die bei Ancenis ins Département eintritt und bei Saint-Nazaire mündet. Hier sind keine großen Schlösser mehr zu finden, eher noch maritimes Flair ab Nantes flussabwärts.

Die andere geographische Hauptachse ist die Atlantikküste. Badestrände befinden sich vor allem südlich der Loiremündung bei Saint-Brevin und westlich von Saint-Nazaire. Sehr bekannt in Frankreich ist Guérande im Nordwesten, teilweise für seine schöne Altstadt, vor allem aber wegen der Salzfelder, die sich südlich davon erstrecken. Auch die Gegend südwestlich der Salzfelder (Batz-sur-Mer/Le Croisic) lohnt einen Blick.

Das Landesinnere ist demgegenüber touristisch wenig erschlossen, insbesondere der Norden und Nordosten hat scheinbar wenig zu bieten. Ganz im Südosten ist die die Burgenstadt Clisson ein interessantes Ziel, allerdings allein auf weiter Flur.

Maine-et-Loire

Burg Angers

Maine-et-Loire ist das Kernland der alten Grafschaft Anjou. Der Namensbestandteil Maine bezieht sich auf den Nebenfluss der Loire bei Angers und nicht auf die alte Grafschaft desselben Namens.

Der Abschnitt der Loire in diesem Département (bis Chalonnes) gehört noch zum Welterbe Tal der Loire. Zu den bekannten Schlössern und Burgen gehören die von Saumur und Angers, am Nebenfluss Thouet noch die von Montreuil-Bellay und Brézé. Dabei beherbergt die Burg von Angers mit der Tapisserie de l'Apocalypse eine einzigartige Sehenswürdigkeit. Jenseits von Loire und Thouet hat das Département touristisch eher wenig zu bieten, insbesondere der Süden und Südwesten. Südlich der Loire ist es hügliger als nördlich davon.

Mayenne

Sainte-Suzanne

Mayenne ist nach dem Fluss benannt, der das Département von Nord nach Süd durchquert, und an dem die wichtigsten Städte liegen: die ebenfalls Mayenne genannte Stadt mit schmucker Burg, der Hauptort Laval sowie Château-Gontier. Der Treidelweg der Mayenne ist zum Radweg ausgebaut, außerdem gibt es mehrere Bahntrassenrouten (siehe unten).

Touristisch interessant sind noch die Burgflecken Sainte-Suzanne im Osten und Lassay-les-Châteaux im Norden. Zwischen den beiden Orten, in Jublains, gibt es größere römische Ausgrabungen zu sehen, die aber nicht mit den Römerstätten Südfrankreichs mithalten können. Der Norden des Landes im Grenzbereich zur Normandie ist höher gelegen und bergiger als der Rest der Region; der Mont des Avaloirs ist mit 416 m der höchste Punkt Westfrankreichs.

Sarthe

Sarthe bildet den nordöstlichen Abschluss der Region und bildet mit Mayenne in etwa die ehemalige Grafschaft Maine ab. Auch hier ist der Norden hügliger, und ganz im Nordwesten rühmt man sich mit den Alpes mancelles eines winzigen Mittelgebirges. Der zentral gelegene Hauptort Le Mans hat eine Altstadt mit einigen schönen Häuserzeilen zu bieten, und Le Lude im Süden ein großes Schloss. Ansonsten sind echte touristische Attraktionen rar gesät.

Vendée

Im Marais poitevin

Vendée liegt im Südwesten an der Atlantikküste und gehört historisch zum Poitou. Das touristische Hauptinteresse liegt an der Küste. Eine Besonderheit ist die Überquerung der Passage du Gois zur Insel Noirmoutier, die nur bei Ebbe möglich ist (siehe unten). Im Süden zieht sich entlang der Sèvre ein großes Sumpfgebiet, der sogenannte Marais poitevin (Sumpf des Poitou), den sich die Vendée mit zwei anderen Départements teilt. Die Landschaft ähnelt ein wenig dem Spreewald mit vielen verwinkelten Flusszweigen und Kanälen.

Traditionelle Vororte der Vendée sind der Bischofssitz Luçon und der ursprüngliche Départementssitz Fontenay-le-Comte. Unter Napoleon wurde die Präfektur ins planmäßig neu errichtete und farblos wirkende La Roche-sur-Yon verlegt. Rund um Fontenay verdienen die Orte Vouvant und Maillezais Erwähnung. Zwei bekannte, aber für Radreisende eher ungeeignete Touristenattraktion sind die Île d'Yeu vor der Küste und der Vergnügungspark Puy du Fou. Die Vendéeküste ist meist flach, allenfalls leicht wellig, und wird von der Eurovelo 1 (Vélodyssée, siehe unten) erschlossen. Auch das Landesinnere ist nur leicht hüglig, mit Ausnahme einer Zone, die sich etwa zwischen Fontenay und La Roche-sur-Yon erstreckt.

Infos für die Reise

Öffentliche Verkehrsmittel

Bahnhof St-Nazaire

Die Anreise per Zug ist von Paris oder Straßburg möglich. Vom Bahnhof Paris-Montparnasse aus werden alle Hauptorte der Region per TGV bedient, dazu auch Destinationen an der Küste wie Saint-Nazaire, Le Croisic oder Les Sables-d'Olonne. Sämtliche TGVs in die Region haben (reservierungspflichtige) Fahrradmitnahme. Nach Le Mans gibt es außerdem direkte TERs.

Von Straßburg gibt es täglich einzelne Zugverbindungen direkt nach Le Mans, Angers oder Nantes.

Entlang der Loire von Orléans nach Nantes verkehren die Interloire-TERs, im Sommer mit zusätzlichem Wagen für Fahrräder. Im Landesinneren sind Bahnhöfe rar. An der Küste gibt es Bahnhöfe außer in den bereits genannten Orten nur noch in Pornic und Saint-Gilles-Croix-de-Vie (TER-Anbindung nach Nantes).

Campingplätze

Vor dem Eintragen neuer Plätze bitte die Hinweise auf Empfehlenswerte Campingplätze beachten.
Siehe auch die allgemeinen Bemerkungen zu Campingplätzen in Frankreich.

  • 44320 Frossay, Camping du Migron** Link. Lieblich an der Loiremündung gelegen, im Ortsteil Migron, direkt an der Radstrecke, die über die Martinière-Insel fuehrt. Nettes Personal, nette Gäste, günstige Preise.

Kartenmaterial

Es gelten die üblichen Hinweise für Regionalkarten (Michelin/IGN). Aufgrund der unregelmäßigen Gestalt der Region sind viele Abschnitte auch auf den Karten der Nachbarregionen vertreten, so dass man ggfs. keine eigene Karte für diese Region braucht.

Leihräder

In Nantes gibt es das stadtweite Leihfahrradsystem Bicloo.

Routen

Die beiden populärsten Strecken der Region sind zugleich Teil des Eurovelo-Netzwerks und werden beide im Wiki beschrieben:

Die EV1 verläuft, von Norden kommend, zunächst im Landesinneren am Brest-Nantes-Kanal und erreicht Nantes, wo sie auf die Loire und damit die EV6 trifft. Anschließend geht es am Unterlauf der Lore bis zu deren Mündung und weiter südlich entlang der Vendéeküste. Details sind in o.g. Artikeln zu finden.

Die Küste nördlich der Loiremündung wird durch einen Vélocéan genannten Radweg erschlossen. Es gibt außerdem Bemühungen, eine Nord-Süd-Achse von der Normandie Richtung Loire entlang der Mayenne zu schaffen. Beide werden unten diskutiert, ebenso wie einige neuralgische Punkte (Brücken/Fähren über die Loire und nach Noirmoutier). Es gibt einige zusätzliche Radrouten entlang von Flüssen und Kanälen, diese sind beim AF3V aufgeführt (siehe Weblinks für eine vollständige Liste).

Vélocéan

Küste nahe La Baule

Wer, an der Loiremündung angekommen, noch ein Stückchen der Küste folgen will (z.B. bis Le Croisic - TGV-Anschluss), findet in Saint-Nazaire Wegweiser mit dem Namen Vélocéan. Diese gehören zu einem Radweg, der irgendwann einmal die gesamte bretonische Küste umrunden soll.

Wer es allerdings schafft, den teilweise ziemlich versteckten Schildern von Vélocéan zu folgen, wird sich etwas enttäuscht sehen, denn die Route führt bald durchs Landesinnere, und man bekommt weder viel von der Küste zu sehen noch die Salzfelder von Guérande. Dem geneigten Radler sei an dieser Stelle anbefohlen, selbständig der Küstenpromenade zu folgen bzw. nach Karte zu navigieren.

Mayenne

Im Rahmen eines landesweiten Radroutennetzes ist die Einrichtung der Véloroute 43 mit Verlauf Caen - Laval - Angers - Saumur - Niort - Marans geplant, also von der Normandie in Richtung Westküste. Davon ist u.a. ein 120 km langes Teilstück in den Départements Mayenne und Maine-et-Loire bereits fertiggestellt. Dieses besteht aus zwei Teilstücken:

Die Stadt Mayenne
  • Von der nördlichen Départmentgrenze nahe Ambrières-les-Vallées zur Stadt Mayenne führt eine zum Radweg umgebaute Bahntrasse (Details). Die Oberfläche ist plattgewaltzte Erde mit etwas Schotter und wenig Rollwiderstand. Dankenswerterweise wurde an Kreuzungen auf Barrieren verzichtet. Der Bahntrassenradweg setzt sich über Mayenne hinaus nach Süden fort, endet aber auf halbem Wege vor Laval mitten in der Landschaft.
  • Der zweite und längere Teil beginnt daher in Laval und benutzt den Treidelweg der Mayenne (Details). Es liegen noch keine umfassenden Erkenntnisse vor, nur Befahrungen zweier kleiner Teilstücke. Demnach ist die Oberfläche uneinheitlich: selten asphaltiert, sonst Erdweg von wechselnder Qualität, von gut fahrbar bis ruppig. Gelegentlich auch tiefe Schotterabschnitte. Nach Regenfällen bzw. generell in der kalten Jahreszeit zu vermeiden, da sich Teilabschnitte in Schlammpisten verwandeln. In der Nähe der größeren Städte ist an schönen Tagen mit vielen Fußgängern zu rechnen.

Vendée Vélo

Das Département Véndée ist mit einem Netz von 1000 km ausgewiesenen Radrouten ausgestattet, das sich Vendée Vélo nennt. Abgesehen vom Küsten-Radweg Vélodyssée (siehe oben) sind diese Routen zum Radreisen nutzlos. Sie verlaufen umwegig über Feldwege und Sandpisten und sind daher oft doppelt so lang wie direkte Verbindungen über verkehrsarme Landstraßen. Wer im Landesinneren der Vendée unterwegs ist, sollte nach Straßenkarte fahren und die Wegweiser von Vendée Vélo ignorieren.

Brücke von Saint-Nazaire

Brücke von Saint-Nazaire

An ihrer Mündung in den Atlantik wird die Loire von einer Straßenbrücke gequert, der Pont de Saint-Nazaire. Diese steht auch dem Radverkehr offen. Neben der Fahrbahn gibt es auch einen schmalen Seitenstreifen. Beinahe unnötig ist zu erwähnen, dass man ggfs. mit starkem Wind rechnen muss, da die Brücke direkt am Meer liegt. Weitere Details zur Brücke sind im Artikel zur Loire zu finden.

Fähren am Unterlauf der Loire

Zwischen Nantes und Saint-Nazaire gibt es keine weiteren Brücken über die Loire, jedoch zwei Fähren, eine bei Basse-Indre, die andere bei Le Pellerin. Deren Benutzung ist - für Fußgänger, Radler und Autofahrer - gratis. Nähere Infos siehe hier.

Noirmoutier

Die Insel Noirmoutier besitzt zwei Verbindungen zum Festland. Die bei weitem bekanntere ist die Passage du Gois, die nur bei Ebbe gequert werden kann, d.h. zweimal am Tag für jeweils drei Stunden (Webseite, im linken Menü auf "Horaires Marées" klicken für Gezeiten). Als Touristenattraktion wird sie während dieser Zeit auch stark von Autos in Beschlag genommen.

Die zweite Verbindung ist die Pont de Noirmoutier im Süden der Insel, eine feste Brücke mit Radweg. Letzterer ist direkt an die Radroute angebunden, die der Küste nach Süden folgt bis Les Sables-d'Olonne (Untergrund meist sandig); siehe auch Vélodyssée.

Weblinks

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