Liegedreirad

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Das Liegedreirad ist ein Liegerad mit drei Rädern. Die Sitzposition entspricht derjenigen des Liegerads.
Liegedreirad in Tadpole-Bauweise mit Anhänger

Bauformen

Grundsätzlich wird zwischen zwei Bauformen unterschieden: Zwei Räder vorne und eines hinten oder ein Vorderrad und zwei Räder hinten.

Zwei Vorderräder

Bei dieser Bauform sind die Beine des Fahrers zwischen den gelenkten Vorderrädern, während sich das Hinterrad hinter dem Liegesitz befindet. Weil das Aussehen (vorne breit, hinten lang und dünn) grob einer Kaulquappe ähnelt, wird diese Bauform Tadpole (engl. für Kaulquappe) genannt. Hinter dem Sitz lässt sich in der Regel ein Gepäckträger montieren, an den man zwei (gelegentlich vier) Taschen hängen kann; außerdem kann man mit Spanngurten eine Tasche quer auf den Gepäckträger schnallen.

Vorteile

  • Hohe Kippsicherheit, da ein großer Teil des Fahrers sich zwischen zwei Rädern befindet und weil die Tadpole-Anordnung eine niedrige Sitzhöhe ermöglicht.
  • Meistens relativ kurz, meistens unter 2 m lang.
  • Antrieb des Hinterrads technisch relativ einfach
  • Man sieht besser, ob das Rad durch eine Engstelle passt
  • Anhängerkupplung meistens einfach zu befestigen

Nachteile

  • Die Konstruktion der Lenkung ist vergleichsweise aufwändig, weil beide Vorderräder gelenkt werden müssen.
  • Ohne Schutzbleche werfen die Reifen Dreck direkt auf den Fahrer, wenn man durch Pfützen fährt.

Tadpole-Liegedreiräder gibt es auch als Tandem.

Zwei Hinterräder

Die so genannte Delta-Anordnung der Räder ist seltener, weil sie das Dreirad länger macht. Ihr Vorteil ist, dass sich meistens hinter/unter dem Sitz ein großes, breites Gepäckfach befindet. Zusätzlich kann man eine Tasche an den Sitz hängen, ohne dass sie mit einem Rad kollidiert. Die Konstruktionsweise der Lenkung ist relativ einfach.

Das Kettwiesel von Hasebikes kann man aneinanderkoppeln und so (hintereinander) gemeinsam fahren. Das An- und Abkoppeln ist auch auf Radreisen problemlos möglich.

Vorteile

  • Extrem kleiner Wendekreis in eine Richtung (meistens nach links, weil in der Regel des rechte Hinterrad angetrieben wird).
  • Nabendynamo leicht zu montieren, weil das Vorderrad in einer normalen Gabel ist. Bei der Tadpole-Bauform sind die Vorderräder hingegen einseitig aufgehängt, was spezielle Naben erforderlich macht.

Nachteil

  • Auf schlechtem Untergrund kann das angetriebene der beiden hinteren Laufräder leicht durchdrehen, weil es nur die Hälfte des Heckgewichtes trägt. Das gilt besonders an Steigungen. Dieser Nachteil lässt sich bei einigen Modellen mit einem Differenzial lösen, sodass beide Hinterräder angetrieben werden; allerdings ist ein Differential teuer und schwer.

Sitz

Den Sitz gibt es in zwei Ausführungen: Als Netz-Sitz (vergleichbar mit einem Netz-Gartenstuhl) und als festen Schalensitz aus Kunststoff oder Holz. Manche Liegeräder sind mit beiden Sitzvarianten lieferbar. Schalensitze werden praktisch immer mit einer Auflage gefahren, die für eine Lüftung des Rückens sorgt und die Ansammlung von Schweiß verhindert -- was mit den modernen Sitzauflagen gut funktioniert. Bei Netz-Sitz ist die Lüftung prinzipbedingt gut. Der relativ weiche Netz-Sitz verschlechtert die Kraftübertragung auf das Pedal, weil man sich bei kräftigem Antritt ein Stück in den Sitz drückt. Daher haben sportliche Liegeräder immer einen Schalensitz.

Für und Wider

Vor- und Nachteile von Liegedreirädern im Vergleich zu aufrechten Fahrrädern und Liegerädern:

Vorteile

  • Erheblich komfortabler und damit entspannteres Fahren, besonders durch:
    • Keine Druckstellen am Gesäß wegen großflächiger Unterstützung des Rumpfes
    • Keine Belastung für Hände, Handgelenke, Arme und Schultern
    • Entspannte Nackenhaltung (bei korrekter Sitzeinstellung schaut man gerade nach vorne und muss den Kopf weder nach unten neigen noch in den Nacken nehmen)
    • Wegfall der geistigen und körperlichen Arbeit zum Halten des Gleichgewichtes. Das ist besonders bergauf ein Vorteil, weil man beliebig langsam fahren kann.
    • Praktisch keine Sturzgefahr bei Seitenwind
    • Kein Absetzen der Füße beim Anhalten; besonders angenehm, wenn man Klickpedale hat.
  • Auf Radreisen hat man immer einen bequemen Sitz dabei
  • Bei Liegedreirädern ändert sich das Fahrverhalten praktisch nicht, wenn man Gepäck mit nimmt. Deswegen gibt es auch keine unterschiedlichen Liegeräder für Reisen und den Alltag.
  • Das „Go-Kart-Gefühl“ sorgt für großen Spaß beim zügigen Durchfahren von Kurven

Nachteile

  • Durch die geringe Sitzhöhe kann man nicht über PKW schauen; Viele Brückengeländer und Deiche versperren die Sicht in die Landschaft.
  • Schwerer als aufrechte Reiseräder und als Liegeräder
  • Sperriger und kaum zu tragen; der Transport ist dadurch schwieriger. Linderung schaffen Falt-Liegedreiräder.
  • Auf schlechten Strecken kann man sich keine gute „Fahrspur“ suchen; speziell auf Wegen mit Grasnarbe in der Mitte fährt immer mindestens ein Rad auf üblem Untergrund.
  • Umlaufsperren sind häufig nicht durchfahrbar. Man muss das Trike in den Kehren anheben und umsetzen oder es sogar über die gesamte Umlaufsperre heben, was gerade mit Gepäck oft nicht alleine klappt.
  • Höherer Rollwiderstand durch drei statt zwei Räder

Liegedreirad als Reiserad

Radreisen mit dem Liegerad sind kein Problem. Wegen der schwierigen Mitnahme in der Bahn kann es aber sinnvoll sein, die Reise zu Hause zu beginnen und zu beenden.

Eine Befestigungsmöglichkeit für eine Lenkertasche gibt es normalerweise nicht, sodass man sich eine alternativen Platz für Kleinkram suchen muss. Recht gut nutzbar sind meistens die rechte und linke Trikottasche, da diese (im Gegensatz zur mittleren) nicht auf dem Sitz liegen. Praktisch ist der Einsatz einer kleinen Bauchtasche (wobei der Verschluss seitlich sein muss und nicht in der Rückenmitte liegen darf). Auch Trinkflaschen sind nicht immer leicht anzubringen. Eine mögliche Lösung ist eine am Gepäckträger angebrachte Trinkblase. Weil man in vielen Situationen freihändig fahren kann, ist das Kramen nach Sachen während der Fahrt erheblich einfacher als bei einspurigen Fahrrädern. Gerade bei langen Steigungen, die keine hohe Konzentration auf die Strecke erfordern, kann man die Zeit beispielsweise sinnvoll nutzen, um eine Banane zu schälen.

Tipps

Auf dem Liege(drei)rad werden andere Muskelgruppen beansprucht als beim aufrechten Rad, sodass eine Umgewöhnung erforderlich ist. Insbesondere der Geschwindigkeitsvorteil durch die bessere Aerodynamik stellt sich erst nach einiger Zeit ein. Man spricht hier von etwa 1000 Kilometern.

Klickpedale sind empfehlenswert, weil man sonst leicht von den Pedalen abrutschen kann. Außerdem ermöglichen sie, auch mal die „Füße hängen zu lassen“ und entlasten damit die Muskulatur - ansonsten müssen die Beinmuskeln nicht nur den Vortrieb leisten, sondern auch noch die Beine hochheben, damit sie auf den Pedalen bleiben. Und schließlich erleichtern Klickpedale enorm einen runderen Tritt, wodurch Muskelkraft effizienter eingesetzt werden kann.

Durch die Abstützung im Sitz kann man enorm viel Druck auf die Pedale bringen, unabhängig vom Körpergewicht. Das kann allerdings die Knie schädigen, sodass man dies nur kurzzeitig tun sollte. Eine hohe Trittfrequenz ist daher gerade beim Liegerad dringend zu empfehlen.

Menschenscheu sollte man als zukünftiger Liegeradfahrer auch nicht unbedingt sein, denn ein Lieger fällt schon mehr auf als ein Aufrechtrad.

Kaufentscheidungshilfen

Siehe Liegerad-Kaufentscheidungshilfen.

Siehe auch

Weblinks

Hersteller