Autonavi

Aus Radreise-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Begriffsbestimmung

Autonavi ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für ein Navigationsgerät zur Verwendung im PKW und anderen Kraftfahrzeugen. Nicht zu verwechseln mit der Funktion Autorouting (automatische Routenberechnung), die alle GPS-Geräte beherrschen, falls sie mit routingfähigen Vektorkarten umgehen können. Der Fachbegriff für ein Autonavi lautet PNA (Personal Navigation Assistant). Autonavis sind ursprünglich nicht zur Verwendung am Fahrrad vorgesehen und nur bedingt für Radtouren geeignet. Obwohl ein Autonavi bei der Routenplanung immer die Optionen „Fahrrad“ und „Fußgänger“ anbietet, sind die damit berechneten Routen mangels geeigneter Kartendaten meist unbrauchbar. Da Autonavis aber massenhaft verbreitet, preisgünstig und einfach zu bedienen sind, werden sie dennoch gelegentlich am Fahrrad eingesetzt. Die nachfolgenden Informationen sollen die Möglichkeiten und Grenzen eines Autonavis auf Radtouren beschreiben. Vom unbedachten Kauf eines Autonavis allein für Radtouren wird ausdrücklich abgeraten.

Grundtypen

Autonavis gibt es in mehreren Bauformen und Varianten:

  1. PKW-Navigationsgerät als Einheit von GPS-Gerät und GPS-Software – die häufigste Variante und Gegenstand dieses Artikels.
  2. Autonavi-Software zur Verwendung auf Smartphone oder Notebook. Identische Software wie im PKW-Navi, aber auf beliebigen Geräten mit passendem Betriebssystem installierbar. Als Zweitsoftware zur Ergänzung von GPS-Programmen für topographische Karten sehr gut zur Smartphone-Navigation nutzbar.
  3. Motorrad-Navigationsgerät, ähnlich dem PKW-Gerät, jedoch in wetterfester Bauweise, mit kleinerem Display, z.T. mit 12 V-Spannungsanschluss und Bluetooth-Sprachansage im Motorradhelm (kein Lautsprecher).
  4. Spezielle Geräte und Software zur Verwendung im LKW (mit Fahrzeugüberwachung, Daten zur Durchfahrthöhe, Durchfahrtbreite, Mautstrecken etc.) – aus technischen Gründen und wegen hoher Kosten uninteressant.
  5. Fest eingebaut im PKW und damit für andere Verwendung ungeeignet.

Während Hardware und Software von jedem Gerätehersteller eigenständig entwickelt werden, stammen die Kartendaten nur von zwei Anbietern: entweder Tomtom (früher Teleatlas-Karten) oder Navteq (gehört zu Nokia). Diese stützen sich wiederum auf die Daten der Landesvermessung, auf Meldeämter und private Korrekturen. Wesentliche Qualitätsunterschiede zwischen beiden Anbietern bestehen nicht. Gelegentlich werden diese Karten noch durch Zusatzdaten angereichert (oder auch in den Details reduziert) und dann unter Eigenmarke vertrieben. Auch die routingfähigen Karten der GPS-Geräte und der Smartphone-Navigation stammen von diesen beiden Anbietern oder zusätzlich von OSM-Daten.

Trotzdem ist es nicht egal, für welches Autonavi man sich entscheidet. Die Software macht den Unterschied. Ob überhaupt fahrradtaugliche Routen berechnet werden, hängt von den Berechnungsvorgaben und den Möglichkeiten der Routenkorrektur ab. Die Fähigkeiten unterscheiden sich je nach Navi, Softwareversion und Karte. Ohne eigene Tests mit Routenplanungen in gut bekanntem Gelände lässt sich kein Urteil treffen.

Merkmale

PKW-Navigationsgeräte haben häufig folgende Merkmale:

  • kompaktes und leichtes Gerät mit großem Display und Touchscreen
  • keine wetterfeste Bauweise, bei günstigen Geräten nur einfache Plastikgehäuse ohne mechanische Widerstandsfähigkeit
  • abnehmbare Halterung für Frontscheibe
  • Dauer-Stromversorgung über 12 V KfZ-Netz, 12 V/5 V-Adapter
  • Dauerfunktion im Betrieb. Aus Sicherheitsgründen keine Displayabschaltung und kein Standby-Betrieb.
  • eine routingfähige, digitale Vektorkarte gehört immer zum Lieferumfang
  • Geräte in verschiedenen Preisklassen und mit diversen Zusatzfunktionen verfügbar
  • Kartendaten und Kartenqualität relativ gleich, da diese von nur zwei Vorlieferanten stammen
  • Kartendaten werden normalerweise im Gerät gespeichert (Offline-Betrieb), keine Mobilfunkkosten
  • kostenpflichtige Online-Verbindung bei einigen Geräten erforderlich, z.B. für Kartendaten oder Autobahn-Stauinformationen (Mobilfunkkosten)
  • Bluetooth ist integriert, Bluetooth-Headset (Ohrhörer) kann angeschlossen werden
  • GPS-Antenne ist integriert
  • kräftiger Lautsprecher
  • externe Speicherkarten und WLAN nur bei einigen Geräten
  • Akku ist fest eingebaut und nicht wechselbar
  • Für Datensicherung, Installation von Karten und interessanten Punkten (POI) ist meist ein Windows-PC mit dem jeweiligen Datenaustauschprogramm erforderlich.

Vorteile

  • günstiger Preis bei einfachen Geräten
  • wegen Massenproduktion, langjähriger Entwicklung und relativ geringem Funktionsumfang weitgehend zuverlässige Funktionen mit nur wenigen Softwarefehlern
  • digitale, routingfähige Vektorkarte ist im Preis enthalten (D-A-CH, Westeuropa oder Europa), Mehrkosten für Karten nur bei Kartenaktualisierung
  • sehr gute Sprachansage zur Routenführung
  • einfache, übersichtliche und leicht zu erlernende Bedienung
  • gute Empfindlichkeit und Genauigkeit des GPS-Empfängers
  • große Bedienelemente auf dem Touchscreen - gut bedienbar
  • große, übersichtliche Displaydarstellung - gut erkennbar
  • helle Displaybeleuchtung, da wegen Bordnetzanschluss keine Stromsparmaßnahmen nötig sind.
  • kurze Einarbeitungszeit: herstellerübergreifend ähnliches Bedienkonzept. Kennst du eines, kennst du alle.
  • automatische und schnelle Routenberechnung
  • automatische und sehr schnelle Neuberechnung der Route bei Abweichung von der geplanten Route
  • Fahrspuren, Verkehrsregeln und teilweise die Straßenqualität werden berücksichtigt
  • problemloser und schneller Gebrauch von tausenden POI (Bahnhöfe, Campingplätze, Krankenhäuser, Bankautomaten, Fährhäfen, Flughäfen...)
  • eigene und fremde POI können problemlos integriert werden
  • praxistaugliche Zielauswahl u.a mit genauer Adresse, nach Koordinaten, zu POI, zu Punkt auf der Landkarte u.s.w.
  • grenzüberschreitend durchgängige Navigation (leider nicht immer vorhanden!)
  • GPS-Koordinaten werden – wie bei jedem GPS-Gerät – in verschiedenen Formaten angezeigt, d.h. der eigene Standort kann so auch auf einer Papierkarte oder für den Rettungsdienst ermittelt werden

Nachteile

  • keine wetterfeste, robuste und klimastabile Bauweise (Ausnahme Motorradnavi)
  • Display im hellen Tageslicht nicht ablesbar
  • kleiner Akku für nur ca. 2 h Laufzeit
  • Akku fest eingebaut und nicht wirtschaftlich wechselbar
  • hoher Energiebedarf, da Displayabschaltung und Standby-Betrieb aus Sicherheitsgründen nicht eingebaut werden dürfen
  • Geräte im aktuellen Breitformat nehmen am Lenker viel Raum ein
  • Routen können nicht außerhalb des Gerätes gespeichert werden (mit wenigen Ausnahmen)
  • Die Anzeige der eigenen Position erfolgt nicht als tatsächliche GPS-Position, sondern so, wie es laut Routenplanung zu erwarten wäre – „magnetisch“ auf der nächsten Straße in der richtigen Fahrspur. Fehlt die Kartenbasis, kann dies zu falscher oder springender Anzeige der eigenen Position und damit zu Missverständnissen führen.
  • Tracks werden nicht aufgezeichnet, d.h. die gefahrene Strecke kann später nicht nachvollzogen werden
  • Höhendaten sind nicht verfügbar und werden bei der Routenplanung nicht berücksichtigt. Keine Anzeige der Höhenmeter oder des Höhenprofils.
  • keine barometrische Höhenmessung eingebaut
  • ausschließlich automatische Routenplanung mit wenigen Einflussmöglichkeiten
  • automatisch geplante Routen lassen sich nur umständlich manuell ändern
  • Navigationsmodi „Fahrrad“ und „Fußgänger“ sind meistens untauglich, weil die Kartenbasis dafür nicht ausreicht
  • vorgeplante Routen aus fremden Quellen sind nicht sinnvoll verwendbar
  • externe Stromversorgung erfordert bei manchen Geräten 12 V Spannung (Motorradnavi) und ist dann nur mit wenigen Dynamoladegeräten kompatibel
  • Zusatzfunktionen für Radfahrer meist unnütz
  • Zusatzkosten können durch Extra-Funktionen entstehen: Abonnements für Kartenupdates, Verkehrsdaten, eingebautes Mobiltelefon, Download von Kartendaten. Der Entwicklungstrend geht in diese Richtung: Mehr KfZ-spezifische Zusatzfunktionen mit ständigem Online-Datenverkehr und entsprechenden Kosten.
  • bei sehr günstigen Geräten störende Werbeeinblendungen (z.B. nicht löschbare POI) und Karten minderer Qualität
  • externe Speicherkarten nur bei wenigen Geräten verwendbar
  • geringer Wiederverkaufswert
  • Reparaturen außerhalb der Garantie sind unwirtschaftlich
  • diebstahlgefährdeter Gegenstand
  • fremde GPS-Zusatzprogramme zu installieren, ist nicht vorgesehen (aber im Einzelfall möglich)
  • zusätzliche Karten sind im Verhältnis zum Gerätepreis relativ teuer und nur in geringer Auswahl vorhanden
  • Die Nutzung der Karten ist an dieses eine Gerät gebunden (mit Gerätenummer verdongelt). Bei Diebstahl oder Defekt außerhalb der Garantie muss alles neu gekauft werden: Gerät und Karten. Ausnahmen: Kulanzregelung auf Antrag beim Hersteller mit Vorlage des Reparaturbeleges. Zeitlich befristete Neuzuordnung von Gerätenummer und Karte, z.B. nur einmal jährlich. Lizenzregelungen sollten vor Gerätekauf studiert werden.
  • Fremde Karten sind nicht verwendbar. Topographische Karten (Rasterkarten) sind mit wenigen Ausnahmen nicht verwendbar. Freie Karten im Garmin-Format sind nicht verwendbar.
  • Grenzüberschreitende Routenplanung ist teilweise gar nicht oder nur eingeschränkt möglich, z.B. nur auf Autobahnen. Willkürliche Teilung der Karten in West- und Osteuropa.
  • Die Qualität der Autokarten hat sich seit Jahren nicht wesentlich verbessert. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Karten der PKW-Navigationsgeräte in absehbarer Zeit hinreichend viele Radwege und Fußwege routingfähig enthalten. Bereits die Abdeckung und Genauigkeit der Autostraßen und Adressen lässt zu wünschen übrig und zeigt große nationale Unterschiede.
  • Die Qualität der Karten und die eventuelle Eignung des Gerätes für Radtouren kann vor dem Kauf nur rudimentär geprüft werden. Es ist deshalb sinnlos, ein Autonavi nur für Radtouren zu kaufen und auf ausreichende Funktionalität zu hoffen.


Praktische Hinweise zum Gebrauch auf Radtouren

Wetterschutz

Der fehlende Wetterschutz kann mit Zubehör nachgerüstet werden (Foliehülle oder wetterfestes Zusatzgehäuse). Dabei beachten, dass die Bedienbarkeit und der Anschluss der Stromversorgung gewährleistet bleiben. Foliehüllen verschlechtern allerdings die Ablesbarkeit des Displays.

Zusatzakku und Dynamoladegerät

Die Akkulaufzeit kann durch einen externen Zusatzakku oder den Anschluss eines geeigneten Dynamoladegerätes verlängert werden. Dabei die Eingangsspannung, die Steckerform und die Anschlussbelegung beachten (5 V oder 12 V, Mini-USB oder Klinkenbuchse, Anschlüsse nicht vertauschen!).

Interner Akku

Die kurze Akkulaufzeit des internen Akkus kann trotzdem auf längeren Touren ausgenutzt werden, wenn das Navi nur für wenige Minuten an zweifelhaften Abzweigungen angeschaltet wird. Das genügt, um die weitere Fahrtrichtung sicher zu bestimmen. Nach dem Einschalten dauert es wenige Sekunden oder Minuten bis zur Positionsbestimmung. Um die Richtung zu erkennen, sollte man sich bewegen (wenige Meter gehen oder fahren). Bei dieser Methode handelt es sich um die ursprüngliche Art, ein GPS-Gerät einzusetzen: kurzzeitiges Überprüfen der Position und der Bewegungsrichtung mit Vergleich der Papierkarte oder dem Fahrtenbuch.

Zulässige Betriebstemperatur

Wegen der Wärmeempfindlichkeit der Technik, insbesondere des Lithium-Akkus, sollte das Gerät nicht der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, vor allem nicht in einer Foliehülle. Hilfreich ist, bei starker Sonne das Navi mit einer umgeklappten Kartenhülle der Lenkertasche abzudecken.

Befestigung am Fahrrad

Die Befestigung am Lenker kann über handelsübliche, modulare Halterungen erfolgen. Zu jedem Navigationsgerät gibt es eine passende Halteschale, die wiederum an einen Lenkerhalter passt. Alternativ gibt es verstellbare Universalhalter, die das Gerät einklemmen.

Displayhelligkeit

Die mangelnde Sonnenlichttauglichkeit der Displays kann durch Abschatten mit der Hand, kurzen Stopp im Schatten oder Nutzung der Sprachansage überbrückt werden.

Individuelle Daten und interessante Punkte

Die mitgelieferten POI für Kraftfahrer sollten unbedingt mit eigenen POI ergänzt werden, z.B. Campingplätze aus dem Archie-Campingverzeichnis. Adressen von Bekannten, Freunden und Quartiergebern. Die PC-Software der Navihersteller bietet oft weitere POI zur Nachinstallation an (Bankautomaten, Einkaufsmöglichkeiten, Touristinfos).

Updates

Falls verfügbar, sollten Programm- und Kartenupdates nach dem Neukauf eingespielt werden. Nach dem Kauf sind Kartenupdates manchmal befristet kostenlos. Für Updates und Freischaltung von Karten wird der eigene PC mit einem Internetzugang benötigt. Unterwegs lässt sich das nur schwer nachholen. Auf ein kostenpflichtiges Kartenabonnement sollte man dagegen verzichten. Die Updates führen erfahrungsgemäß nicht zu einer verbesserten Fahrrad- und Fußgängernavigation und beschränken sich auf Korrekturen für den PKW-Verkehr.

Automatische Routenberechnung mit Straßenkarten

Dies ist der wichtigste Grund, weshalb ein Autonavi kein Fahrradnavi ist. Um die für Radfahrer ungeeigneten, automatischen Routenvorschläge anzupassen, gibt es – je nach Hersteller, Karte und Land – mehr oder weniger geeignete Möglichkeiten:

  1. Mehrere Routen mit verschiedenen Einstellungen berechnen und vergleichen. Die Bezeichnungen variieren von Hersteller zu Hersteller. Da die Berechnungen binnen Sekunden erfolgen, gewinnt man schnell einen ersten Überblick:
    1. „Schnellste Route“ - typische Autostrecke inklusive Autobahnen – geeignet zur Vorinformation.
    2. „Kürzeste Strecke“ - absolut kürzeste Verbindung von A nach B. Wegezustand und Straßenkategorie werden nicht berücksichtigt. Sinnvoll zur Vorplanung, um einzuschätzen, ob das Ziel überhaupt erreichbar wäre. Dabei das Bild der Route im Navi mit einer Papierkarte vergleichen: Falls große Bögen und Umwege angezeigt werden, fehlt der Navi-Karte möglicherweise nur ein Verbindungsweg. Der Modus „kürzeste Strecke“ wird zum Gebrauch mit dem PKW nicht empfohlen, da die Autokarten bei schmalen und unbefestigten Wegen eine höhere Fehlerquote haben und der Wegezustand die Durchfahrt verhindern kann. Per Rad sollte man hier mit einzelnen Schiebestrecken, Tragestrecken und Umwegen rechnen.
    3. „Fußgängerroute“ - entspricht der „kürzesten Verbindung“, lässt jedoch Autobahnen aus. Bei ausreichend genauer Kartenbasis für die Radroutenplanung brauchbar. Enthält auch schlecht befahrbare Wege und z.B. Treppen in Städten.
    4. „Fahrradroute“ - entspricht der „schnellsten Strecke“, lässt aber Autobahnen aus. Bevorzugt verkehrsreiche Autostraßen und berücksichtigt Verkehrsregeln. Radwege, unechte Einbahnstraßen, Fußwege mit Freigabe für Radfahrer, Treppen mit Schieberinne u.ä. Besonderheiten werden fast nie berücksichtigt. Darum hat eine „Fahrradroute“ aus dem Autonavi nichts mit einer optimal geplanten Radroute zu tun.
  2. Möglichkeiten der „Alternativroutenberechnung“ und der „Routenplanung“ nutzen, um den unter 1. gewonnenen Routenvorschlag zu verfeinern.
    1. Mehrfache Alternativrouten berechnen: Oft ist der zweite oder dritte Routenvorschlag brauchbar, zwar länger, aber verkehrsarm.
    2. Teilstrecken blockieren: Routenabschnitte auf Fernverkehrsstraßen können manuell blockiert werden. Das System schlägt eine Alternativroute vor.
    3. Zwischenziele manuell setzen: Über die „Routenplanung“ können Zwischenziele definiert werden. Bis zum nächsten Zwischenziel wird automatisch geroutet.
  3. Die automatische Route ignorieren und einfach weiter in der eigenen Richtung fahren. Das Navi berechnet dann laufend neue Routenvorschläge. Solange dabei kein brauchbares Ergebnis herauskommt, sollte man die Sprachausgabe deaktivieren oder das Gerät abschalten. Typisches Beispiel: Es gibt einen Radweg in 50 m Entfernung parallel zur Fernverkehrsstraße. Das Navi will zur Straße lenken, weil es den Radweg nicht kennt.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Automatisch berechnete Routen sind mit etwas manueller Nacharbeit für Radtouren oft brauchbar. Voraussetzung: Die Radtour findet überwiegend auf Straßen und Nebenstraßen statt. Reine Radwanderwege und Fußwege sind in den Karten selten enthalten. In Ländern mit sehr dichtem Nebenstraßennetz und einer guten Kartenbasis kann das Autonavi auf Radreisen ohne Bedenken und sehr komfortabel verwendet werden (Beispiel Schweden: In der Autonavi-Karte sind zu geringen Kosten alle per Rad befahrbaren Waldwege ab 2 m Breite routingfähig enthalten. Digitale Topokarten für Schweden würden dagegen mehrere hundert Euro kosten und OSM-Karten sind dort zu lückenhaft). Deutschland gehört nicht zu den Ländern mit brauchbarer Kartenbasis, weil viele Wege nicht oder nicht routingfähig in den Karten enthalten sind.

Alternative Karten und Software

Autonavis sind zunächst geschlossene Systeme. Es ist nicht vorgesehen, andere Karten und fremde Software zu installieren. Dennoch gibt es im Einzelfall für interessierte Nutzer auch dazu Möglichkeiten. Die offiziellen Möglichkeiten sind sehr beschränkt. So erlaubt Tomtom zwar, eine eigene Rasterkarte zu installieren, aber beschränkt diese auf eine minimale Größe (z.B. den Plan eines Messegeländes) und versteckt die Beschreibung in den Untiefen der Online-Hilfe.

Wer keine Möglichkeit hat, ein anderes GPS-Gerät zu nutzen und außerdem technisch interessiert ist, hat alternative Möglichkeiten. Grundbedingung: Vom Navi muss eine komplette Datensicherung vorliegen. Empfohlen wird, dafür nicht nur die Backup-Funktion des Navis zu nutzen, sondern eine sogenannte Image-Software. Ein Wiederherstellen der Daten ist nur möglich, wenn das Navi am PC als Massenspeicher bzw. als Navi erkannt wird. Wenn auch das scheitert, müsste die Speicherkarte aus dem Navi ausgebaut werden und am PC mit einem Speicherkartenleser mit den Daten befüllt werden. Eine weitere Einschränkung: Viele PNA sind technisch nicht für den Umgang mit Rasterkarten ausgelegt und hinsichtlich Arbeitsspeicher und Prozessor zu schwach. Eventuell reagieren diese Geräte nur mit Verzögerungen oder zeigen die Karte nicht an. Gemessen am Zeitaufwand, dem Fehlerrisiko und den relativ geringen Mehrkosten für ein Einsteiger-GPS-Gerät lohnt es eigentlich nicht, ein PNA mit Alternativsoftware zu betreiben.

Bekannt sind z.Zt. diese Möglichkeiten, ein Autonavi mit topographischen Karten zu nutzen:

  • Die Software Footmap läuft eigenständig von einer Speicherkarte und arbeitet mit OSM-Karten. Footmap setzt voraus, dass es am Navi einen Speicherkartenslot gibt und das Navi mit dem Betriebssystem Windows-CE bzw. Windows Mobile arbeitet.
  • Die Software GPS-Mate kann auf einigen Navis direkt installiert werden. Es handelt sich um ein vollständiges Programm für Rasterkarten. Ob das eigene Navi unterstützt wird, wäre beim Programmautor anzufragen. Bei allen Navis mit Betriebssystem Windows-CE bzw. Windows Mobile stehen die Chancen gut.
  • Die Software ttMaps lässt sich auf einigen (nicht allen) Tomtom-Navis installieren und verarbeitet Karten im fortschrittlichen ECW-Format. Allerdings gibt es kaum freie Karten im ECW-Format und eine Konvertierung vorhandener Digitalkarten in ECW ist nicht einfach oder erfordert teure Software.
  • Auf Navis mit Betriebssystem Windows-CE bzw. Windows Mobile lassen sich theoretisch alle GPS-Programme für dieses Betriebsystem der Smartphone-Navigation installieren, z.B. Glopus oder OziExplorer. Da beim Autonavi aber Teile des Betriebssystems blockiert sind oder fehlen, lässt sich nicht pauschal sagen, welche Programme nutzbar sind. Interessenten sollten zunächst einschlägige Foren im Internet zu Rate ziehen.
  • Die Software Mapwel erlaubt es, eine Anzahl von Garmin-Geräten, darunter auch Autonavis, mit alternativen Karten und Tracks im Google-Earth-Format zu verwenden.

Zusatzfunktionen

Ist die Routenberechnung zum Navigieren unterwegs unbrauchbar, kann das Autonavi auch anderen Zwecken dienen:

  • Schnelle Routenvorplanung zur Entfernungsabschätzung. „Wie weit wäre es bis...?“
  • Schnelle Routenvorplanung in unübersichtlichem Gelände. Das Navi berechnet Routen, die sich auf der topographischen Papierkarte nur mühsam finden lassen. Merke: Kennt das Autonavi einen Weg, ist er meist auch vorhanden. Kennt das Navi keinen Weg, kann er in der Natur trotzdem vorhanden sein. Die Navi-Karten sind lückenhaft aber die vorhandenen Daten relativ arm an Fehlern.
  • Anzeige der nächstgelegenen Campingplätze mit Entfernungsangabe in einer Liste
  • schnelle Routenführung zu Bahnhof, Flugplatz, Bankautomat oder Gaststätte
  • Navigation in Städten, weil hier die Kartenabdeckung meist sehr gut ist
  • Notfallnavigation zum nächsten Krankenhaus, zur nächsten Hauptstraße, zurück zum Campingplatz, zurück zum Ausgangspunkt.
  • Notfallhilfe: exakte Koordinatenanzeige und Übermittlung per mitgeführtem Mobiltelefon
  • Notfallhilfe beim Verirren in unbekanntem Gelände. Wer sich nicht anders orientieren kann, sollte wenigstens ein geladenes Autonavi mitnehmen und den Ausgangspunkt oder Zielpunkt als „Heim“ oder „Favorit“ eingeben. Auch ohne ausreichend genaue Navikarte wird die Richtung zum Ziel korrekt angezeigt. Damit ist es unmöglich, in die falsche Richtung zu fahren oder zu laufen. Wer nur ein Autonavi besitzt, sollte es in unbekanntem und unbewohntem Gelände bei sich haben.
  • Datenspeicher für Adressen und Telefonnummern (eigene POI und Favoriten)
  • MP3-Player (Musik kann gespeichert und wiedergegeben werden)


Verwandte Artikel

Smartphone-Navigation

GPS-Geräte

Navigation mit GPS


Weblinks