Federgabel

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Die Anzahl der am Markt verfügbaren Federgabeln ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und sie wurden stärker in verschiedene Bereiche untergliedert um sie an die verschiedenen Nutzungsarten anzupassen. Der vorliegende Artikel beschreibt den gebräuchlichsten Typ, die Teleskopfedergabel. (es gibt auch noch Parallelogrammfedergabeln)

Aufbau der Federgabel

Die Federgabel besteht aus Federelement, Standrohr, Tauchrohr, Gabelbrücke, Gabelschaft und dem Dämpfungssystem.

Federelemente

Federweg

Unabhängig vom Federelement gibt es verschiedene Federwege. Von ca. 60mm bis ca. 200mm ist alles dabei. Große Federwege werden vor allem im Downhillbereich verwendet. Reiseräder mit Federgabeln werden üblicherweise mit 80 - 100mm Federweg ausgestattet.

Stahlfeder

Als sehr haltbar haben sich Stahlfedern (insbesondere mit offenem Öldämpfer) herausgestellt. Mit minimaler Wartung halten diese viele Kilometer. Bei einem Defekt des Dämpfers kann trotzdem weitergefahren werden. Um die Federgabel optimal an veränderliches Gewicht (Rad mit Gepäck, Rad ohne Gepäck) anzupassen, kann man die Federvorspannung erhöhen. Bei großen Gewichtsunterschieden wäre ein Tausch der Feder nötig.

Luftfeder

Federgabeln mit Luftfederung haben gegenüber anderen Federgabeln zwei wichtige Vorteile: sie besitzen ein geringeres Gewicht und sie lassen sich auf einfachste Weise an veränderliches Gewicht (Rad mit Gepäck, Rad ohne Gepäck) anpassen, indem man einfach den Luftdruck verändert (aufpumpen, Luft ablassen). Bei einem Defekt des Luftfederelements sackt die Gabel vollständig in sich zusammen was Fahreigenschaften und Rahmengeometrie erheblich verschlechtert und auf Dauer auch die Federgabel zusätzlich schädigen kann. Man sollte in diesem Fall schnellstmöglich eine Werkstatt ansteuern. Die in den Anfangszeiten häufigen Luftverluste sind inzwischen kein Problem mehr und Luftfedergabeln setzten sich gegenüber anderen Federgabeln (abgesehen vom Billigbereich) stark durch. Möchte man auf Radreise den Luftdruck variieren, z.B. für Tagestouren ohne Gepäck oder stark schwankende Gepäckmengen (Lebensmittel) ist eine Dämpferpumpe nötig. Ansonsten bleibt der Luftdruck wochenlang stabil und man könnte in Gegenden mit MTB-Verbreitung im Fahrradgeschäft bei Bedarf nachpumpen.

Tipps

  • Luftfedergabeln gibt es mit unterschiedlichen notwendigen Luftdrücken. Je niedriger der notwendige Betriebsdruck, desto einfacher haben es die Dichtungssysteme dicht zu halten. Modelle mit niedrigem Luftdruck lassen sich auch mit normalen Luftpumpen auffüllen, so daß auf Reise keine zusätzliche Pumpe mitgenommen werden muss. Den exakten Luftdruck kann man mit einer speziellen Federgabelpumpe allerdings exakter einstellen.
  • Ein Totaldeffekt ist ein seltener Ausnahmefall. Luftverluste bei verschlissenen Dichtungen stellen sich eher schleichend ein. Das Dämfungselement (kleines innerhalb der Tauchrohre befindliches Teil) oder Dichtungsringe können auch als Ersatzteil mitgeführt, bzw. per Post nachgeschickt werden.

Elastomer

Die in der Anfangszeit der Federgabeln und bei sehr preiswerten Gabeln verbreiteten Elastomerfederelemente bieten zwar eine minimale Dämpfung, reagieren aber auf tiefe Temperaturen mit einer deutlichen Verhärtung. Sie haben zusätzlich noch eine begrenzte Lebensdauer.

Schaft

Es gibt Federgabelschäfte aus Aluminium und aus Stahl. Für Reisen empfiehlt sich Stahl als Material. Auch wenn Alu bei Rahmen die gleiche Dauerhaltbarkeit erreicht, kann wegen des festgelegten Durchmessers beim Gabelschaft die geringere Festigkeit nicht durch Erhöhung des Querschnittes ausgeglichen werden.

Standrohr, Tauchrohr und Gabelbrücke

Ein bei Standrohren weit verbreitetes Material ist Magnesium. Es weist ein besonders günstiges Gewichts- Stabilitätsverhältnis aus, besitzt aber eine hohe Korrosionsgeschwindigkeit. Lackschäden sollten schnellstmöglich repariert werden. In der Regel ergeben große Rohrdurchmesser größere Steifigkeiten der Gabel.

Dämpfungssystem

Mit Dämfungssystemen kann man unerwünschte Bewegungen der Gabel verhindern. Je nach System gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

Öldämpfer

Beim einfedern gelangt das Öl durch eine große Öffnung in den oberen Gabelteil, beim ausfedern muss das Öl durch eine kleine Öffnung in einen unteren Gabelteil zurückfließen. Dadurch wird die Ausfedergeschwindigkeit verringert. Einfaches und zuverlässiges System zur Dämfung. Verhindert aber kein unerwünschtes Einfedern durch Trittbewegungen des Radlers.

Lockout

Mit einen solchen System kann man die Federgabel "ausschalten" sie bewegt sich dann nicht mehr (oder nur minimal). Insbesondere auf sehr guten Straßen beim bergauffahren lassen sich so Effizienzverluste durch unerwünschte Wippbewegungen ausschalten. Einfaches und zuverlässiges System. Weit verbreitet. Keine individuelle Anpassung möglich, nur an oder aus.

Plattformdämpfer

Die Federgabel fährt im Lockoutmodus. Bewegungen durch den Fahrer werden unterdrückt. Fährt man über ein Hindernis, öffnet das Massenträgheitsventil und die Federgabel federt. Danach wird sie wieder starr bis zum nächsten Hindernis. Teilweise läßt sich die Federkraft steuern, ab der die Federgabel anspricht. Plattformsysteme sind effizient, sehr teuer und auch durch komplexere Technik wartungsintensiver als einfache Systeme.

Anbauösen

Eine tourentaugliche Federgabel sollte mit Anbaupunkten für Scheibenbremsen und Cantilever-Sockeln ausgestattet sein. Dies ermöglicht den Anbau aller Arten von aktuellen Bremsen. Ösen für die Befestigung von Lowridern sind überflüssig, da am ungefederten Teil ohnehin kein Gepäckträger befestigt werden sollte. (Parallelogramm-Federgabeln sind anders konstruiert. Für diese gilt die Aussage nicht so allgemein.) Inzwischen gibt es speziell für Federgabeln entwickelte Gepäckträger (Tubus Swing, Faiv) die an der Gabelbrücke befestigt werden. Die meisten Federgabeln besitzen keine Ösen für die Schutzblech-Befestigung. Dabei kann man sich helfen, wenn man das Schutzblech mit einem Brake Booster (z.b. Magura HS33 oder Mounti Special) und an den Rohren der Federgabel mit Schellen von Cateye befestigt.

Federgabelarten

Spezielle Reiseradfedergabeln werden mit wenigen Ausnahmen im 28"-Bereich (z.B. Marzocchi mit Gewinde für Tubusträger) nicht hergestellt. Abgesehen von einfachen Federgabeln für preiswerte Trecking- oder Cityträder werden Federgabeln haupstächlich für den MTB-Bereich entwickelt. Dort gibt es zahlreiche Modelle, die sich mehr oder weniger gut für den Einsatz am Reiserad eignen. Reiseräder mit Federgabelgeometrie sind meist auf Gabelmodelle von ca. 85mm Federweg ausgelegt und auch MTBs, welche sich für den Reiseradeinsatz eignen, finden sich am ehesten in der Tour- oder X-Country-Klasse, in der sich somit auch am ehesten die passende Federgabel finden lässt. Diese Federgabeln haben meist einen Federweg von 80-100mm. Speziell in der X-Country-Klasse finden sich "Race-Gabeln", also rennorientierte Gabeln, die auf geringstes Gewicht und höchste Effizienz, dafür aber weniger auf Wartungsarmut und Stabilität ausgelegt sind. Diese Race-Gabeln sind eher nicht für den Radreiseeinsatz zu empfehlen. Hinweise auf die Reisetauglichkeit liefert auch das zulässige Gewicht, das die Gabelhersteller angeben, sowie die vorgeschriebenen Wartungsinterwalle. Im Liegeradbereich gibt es speziell für Reiseliegeräder entwickelte 20" Federgabeln.Liegeradfedergabeln

Vor- und Nachteile der Federgabeln gegenüber Starrgabeln

Eine Federgabel am Rad ist nicht automatisch ein Pluspunkt beim Kauf. Wie generell sollte man überlegen, ob sie beim vorgesehenen Einsatz mehr Vor- als Nachteile bietet. Manche Eigenschaften der Federgabel sind stark schwankend je nach Modell und Preisklasse.

Vorteile

  • Fahrkomfort wird auf schlechter Straße/Piste/Pfaden erhöht, auch im innerstädtischen Bereich mit häufigem Bordstein rauf und Bordstein runter sowie schlechten Radwegen.
  • besserer Bodenkontakt des Rades bei Unebenheiten
  • auf schlechter Straße/Piste/Pfad ist höhere Geschwindigkeit möglich
  • weniger Konzentration auf Fahrbahn nötig
  • Schutz des Fahrers und des Gepäcks vor Erschütterungen

Nachteile

  • höheres Gewicht der Federgabeln und auch höheres Gewicht des Federgabelgepäckträgers (sofern notwendig)
  • Defektanfälligkeit und bei Defekt Problem der Ersatzteilversorgung und Reparaturmöglichkeit (auch in Europa, Federgabeln werden von vielen Händlern nicht selbst repariert, sondern eingeschickt)
  • Wartungsaufwand und Wartungskosten, bei Langzeitreisen auch generelles Problem überhaupt Wartungen ausführen zu können
  • höherer Preis der Gabel und auch höherer Preis von Federgabelgepäckträger (sofern notwendig)
  • Effizienzverluste auf guter Straße durch Wippbewegungen (aber abhängig vom System, siehe Lockout und Plattformdämfung)
  • geringere Auswahl an Federgabelgepäckträgern und bei Defekt deshalb auch schwerer zu ersetzen (sofern notwendig)
  • schlechtere Anbringmöglichkeiten für Schutzbleche

Tipp

Wer eine robuste Reiseradfedergabel für Fernreisen sucht, der sollte sowohl Billigmodelle als auch die teils sehr teuren und auf Minimalgewicht getrimmten Race-Modelle meiden. Am besten sind hierfür solide Mittelklassemodelle mit Stahlfeder geeignet, die höchste Zuverlässigkeit und Langlebigkeit bieten.