Speichenspannung

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Die Speichenspannung wird in der Regel in Newton (N), manchmal auch in Kilogramm (kg) und besonders im US-amerikanischen Raum auch in Kilopond (kp oder kgf) angegeben. Als Näherung kann man zur Umrechnung 1 N = 0,1 kp annehmen.

Um möglichst langlebige und stabile Laufräder zu bauen, sollte man sich – grob vereinfachend ausgedrückt – bei der Speichenspannung an zwei Grundsätzen orientieren: so hoch wie möglich und so gleichmäßig wie möglich.

Absolute Speichenspannung

Die häufigste Ursache für Speichenbruch ist eine zu geringe absolute Speichenspannung. Wenn eine Speiche nicht hinreichend gespannt ist, bewegt sie sich während der Fahrt ständig und es kommt früher oder später zum Ermüdungsbruch im Speichenbogen. Mit einer Speichenspannung, die nahe am vom Hersteller der Felge vorgegeben Maximum liegt, lässt sich dies vermeiden. Viele Felgenhersteller veröffentlichen die empfohlenen Werte nicht auf ihren Websites, und in der Praxis verlassen sich viele Laufradbauer mehr auf Erfahrungswerte als auf Herstellerangaben.

Relative Speichenspannung

Für ein dauerhaft gut zentriertes Laufrad ist neben der absoluten auch die relative Speichenspannung, also das Verhältnis der Spannung der einzelnen Speichen eines Laufrads zueinander, wichtig. Das Ideal ist hier eine vollkommen gleichmäßige Spannung aller Speichen. Wenn man eine perfekt runde Felge hätte und diese zu einem korrekt zentrierten Laufrad aufbauen würde, hätten theoretisch alle Speichen die exakt gleiche Spannung. In der Praxis lässt sich eine vollkommen gleichmäßige Speichenspannung allerdings nicht erreichen. Aufgrund von Fertigungstoleranzen hat man es in aller Regel mit nicht vollkommen runden Felgen zu tun, und für ein perfekt zentriertes Laufrad muss man diese Ungleichmäßigkeiten über die Speichenspannung ausgleichen. Letztlich geht es also darum, einen Kompromiss zwischen gleichmäßiger Spannung und guter Zentrierung zu finden. Falls dies nicht gelingt – also etwa bei korrekter Zentrierung eine oder mehrere Speichen in ihrer Spannung deutlich nach unten oder oben abweichen – ist dies meist ein Hinweis auf eine defekte Felge.

Die bisherigen Ausführungen gelten nur, wenn die Felge mittig zwischen den Nabenflanschen liegt, wie dies bei Vorderrädern und vielen Hinterrädern mit Nabenschaltung der Fall ist. Bei Hinterrädern mit Kettenschaltung sind die Speichen auf der Antriebsseite steiler als die auf der Nicht-Antriebsseite und damit auch stärker gespannt. (Faustformel: Speichenspannung(links) = 0,65 * Speichenspannung(rechts) Die gleichmäßige Spannung gilt hier also jeweils nur für die Speichen auf einer Seite des Antriebs.

Bestimmung der Speichenspannung

Akustische Methode

Wenn man keinen Tensiometer hat oder die Speichenspannung nach einer Reparatur während einer Tour überprüfen muss, ist die akustische Überprüfung die beste Alternative. Wie eine Gitarrensaite schwingen auch Speichen je nach Spannung in einer bestimmten Tonhöhe. Die Tonhöhe ist zwar kein guter Indikator für die absolute Speichenspannung; aber durch den Vergleich mehrerer Speichen lässt sich eine gleichmäßige Spannung aller Speichen recht gut erreichen. Hierzu zupft man die Speiche mit dem Fingernagel oder einem Plektrum nahe des Nippels an. Dadurch erzielt man einen relative klaren Ton, der nicht vermischt ist mit dem Klang der kreuzenden Speiche. Nun kann man den Klang der verschiedenen Speichen miteinander vergleichen und die Speichenspannung so lange anpassen, bis alle Speichen ungefähr gleich klingen. Wenn man ein neues Laufrad aufbaut, kann man durch den Vergleich mit einem bereits vorhandenen (und hoffentlich korrekt vorgespannten) Laufrad auch die absolute Speichenspannung auf das richtige Maß bringen.


Tensiometer

Wenn man seine eigenen Laufräder aufbaut, kann die Anschaffung eines Tensiometers, ein Instrument zur Messung der Speichenspannung, sinnvoll sein. Ein einfacher Tensiometer, wie der Park Tool TM-1 ist bereits für unter 100 Euro erhältlich. Teurere Tensiometer sind der DT tensio bzw. DT tensio digital, die für den Heimgebrauch aber vermutlich nicht notwendig sind.
Analoger Tensiometer von Wheelsmith

Tensiometer messen die Speichenspannung anhand der Biegung der Speiche beim Anlegen einer definierten Kraft. Da diese Biegung von der Dicke und Bauart der Speiche abhängig ist, muss man den am Gerät abgelesenen Wert noch mittels einer Tabelle in den tatsächlichen Wert der Speichenspannung umrechnen.

Siehe auch