Transport von Kindern

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Eigenes Rad

Kinderrad

Ab einem gewissen Alter, meist irgendwann in der Grundschulzeit, erfolgt der "Transport" des Kindes natürlich auf seinem eigenen Fahrrad (es sei denn man nennt ein Eltern-Kind-Tandem oder ein Trets sein eigen). Dies ist grundsätzlich möglich, sobald das Kind die geplante Etappenlänge auch über mehrere Tage konditionell wie auch motiviert bewältigen kann. Das hängt vor allem von den Alltagsgewohnheiten des Kindes (wieviel fährt es täglich, was sind die üblichen Familiengepflogenheiten mit Fahrrad) als auch von der gesamten Planung ab. Regelmäßige Unterbrechungen auf Spielplätzen, an interessanten Orten, zum Eisessen etc. erhöhen die Motivation, noch einen weiteren Abschnitt zu bewältigen. Die alltägliche Fahrradnutzung auch auf längeren Strecken, das Vorbild der Eltern, die Gewöhnung an das Reisen von früher Kindheit an etc. verbessern sicher die Motivation.

Kinder-Reiserad in Schottland.

Für ein Kinder-Reiserad gelten vor allem die Vorschriften für ein straßenverkehrstaugliches Fahrrad (Bremsen, Lichtanlage). Die vielfach von Kindern begehrten Kinder-Mountainbikes erfüllen diese oftmals nicht. Es sollte mit Schutzblechen und einem Gepäckträger ausgestattet sein, die eigenen (leicht gefüllten) Gepäcktaschen sind oftmals wichtig für die Motivation. Die Ausstattung mit einem Trinkflaschenhalter sollte gut überlegt sein, das Trinken während der Fahrt überfordert viele Kinder beim gleichzeitigen Lenken. Besser regelmäßige Trinkpausen machen. Eine Dreigang-Schaltung sollte vorhanden sein, abhängig vom Höhenprofil der geplanten Strecke. Da Kettenschaltungen an Rädern für jüngere Kinder wegen der fehlenden Rücktrittbremse im Allgemeinen nicht empfohlen werden, ist ein anspruchsvolles Terrain mit kleineren Kindern aus diesen Gründen eher nicht zu empfehlen. (Die "allgemeinen Empfehlungen" ignorieren natürlich die Praxis, in der etliche Kinder bereits früh mit einer Kettenschaltung zurechtkommen.)

Es gibt Kinder, die auf 16-Zoll-Rädern 20 km-Etappen bewältigen. Generell sollte ab einem 20-Zoll-Rad eine Radreise (abhängig von den o.g. Faktoren) möglich sein. Bei kleineren Kindern ist die zusätzliche Anschaffung einer Trailer-Stange oder eines Follow-Me zu überlegen, um bei Ermüdung des Kindes dieses mit seinem Rad ins Schlepptau zu nehmen.

Laufrad

Eine schöne Möglichkeit, kleinere anhängerfahrende Kinder an das eigene Mitfahren zu gewöhnen, ist die Mitnahme eines Laufrades. Das Kind kann auf ruhigen Wegen kleinere Stücke mitfahren. Bei Müdigkeit oder Unlust wird das Laufrad wieder auf und das Kind in den Anhänger gepackt. Ein Laufrad dabei zu haben empfiehlt sich auch für Campingplätze, wenn man längere Entfernungen vom Zelt zu den Waschräumen hat!

Follow-Me

Möglichkeit, das Kind mitsamt dem Fahrrad bei Müdigkeit oder Steigungen am Elternrad ins Schlepptau zu nehmen.

Trailerstange

Die Trailerstange wird am ziehenden Rad i.d.R. an der Sattelstütze montiert. Am Kinderrad befindet sich eine Vorrichtung, an der die Trailerstange eingehängt wird. Das Vorderrad (des Kinderrads) wird fixiert. Auf diese Weise wird das Kinderrad ähnlich einem Tandem angehängt. Das Kind kann (muss aber nicht) mittreten. Der Gepäckträger des ziehenden Rades bleibt oben frei, damit die Stange nicht blockiert wird. Seitliche Packtaschen können verwendet werden, können aber unter Umständen die Stabilität beeinträchtigen. Leichtes Gepäck kann man auch am Kinderrad befestigen. Das Kinderrad kann bis zu 20" groß sein. Wird die Stange nicht benutzt, wird sie zusammengeklappt und am Rad fixiert. Das Gespann fährt sich wie ein etwas unhandlicher Anhänger, d.h., dass man größere Wendekreise berücksichtigen muss. Bei der Fahrt um Ecken ist es sinnvoll, weiter auszuholen. Normale Kurvenfahrten in (leichter) Schräglage werden nicht beeinträchtigt.

Anhängerlösungen

Kinderanhänger

Rad- und Kinderanhänger-Gespann unterwegs (mit Winther Dolphin, älteres Modell).

Kinderanhänger sind heute bei einer recht großen Vielfalt an Modellen für verschiedene Zwecke einsetzbar. Neben dem Kidertransport lassen sich die meisten auch gut zum Einkauf und Transport von Waren einsetzen, z.B. zum Entsorgungshof. Einige lassen sich zu "Jogger" umbauen, andere gar zu Schlitten zum Mitziehen mit Langlaufskis. Beim Kauf eines Kinderanhängers entscheidet in der Regel der vorgesehene Haupteinsatzbereich darüber, welches Modell sich am besten eignet.

Alter und Grösse der Insassen: Mit Babyschalen (z.B. Weber Babyschale) ausgerüstet eignen sich Kinderanhänger zum Transport von Babys schon ab Geburt. Dabei ist auf niedrige Vibration zu achten (z.B. durch gute Federung, verringern des Reifendrucks, Fahrstil und Routenwahl). Die meisten Modelle eignen sich zur Mitnahme von Kindern je nach Größe und Gewicht bis ca. 6 oder 8 Jahren. Einige Spezialmodelle mit einer zulässigen Nutzlast bis 60 kg sind auch zur Mitnahme von größeren Kindern geeignet (welche z.B. wegen einer Behinderung nicht auf ein Kinderrad umsteigen können).

Einsatz auf Radtouren: Auf Radtouren mit Kindern kommt oft eine Menge Gepäck zusammen. Stauraum im Anhänger oder externe Befestigungsmöglichkeiten sind dabei besonders nützlich. Bequeme Sitze und eine komfortable Federung machen längere Fahrzeiten auch für die kleinen Insassen angenehmer. Leichtgängige, grosse Laufräder, geringes Gesamtgewicht und eine gute Aerodynamik sorgen für besseres Vorwärtskommen. Beim Verlad in Zug und Bus sind eine nicht zu große Breite (unter 80 cm) sowie eine einfache Zerlegbarkeit vorteilhaft.

Modelle, welche sich speziell für den Tourenbereich eignen, sowie deren Stärken und Schwächen beim Anwendungszweck "Tour":

Winther Dolphin

Ein bewährtes Modell aus Dänemark, Link, mit speziellen Stärken im Tourenbereich:

  • leichtgängige, grosse Laufräder
  • wendig, gute Straßenlage ohne dabei zu breit zu sein, was sich beim Verlad in öffentliche Verkehrsmittel auszahlt
  • robust gebaut, mit hochwertigen und langlebigen Teilen
  • Ersatzteile (wie Verdeckplanen) auch nach vielen Jahren erhältlich
  • erprobt und in den Details durchdacht (z.B. einfache Demontage der Laufräder zu Transport und Reparatur).
  • eher leicht
  • besonders gute Aerodynamik für einen Kinderanhänger
  • im Gebrauchtmarkt erhältlich

Schwächen:

  • hoher Neupreis
  • Elastomerfederung mit beschränkter Wirkung, speziell bei ganz leichter Anhängerlast

Trets

Das Trets der Firma Hase Spezialräder ist für den Transport eines Kindes auf einer Radreise ab etwa einer Körpergröße von 1,10 m bis zu 1,50 m geeignet. Es bietet Kindern im Vorschul- und Grundschulalter eine gute Möglichkeit, eine Radreise in einer angemessenen Mischung von Aktivität und Ruhepausen mitzuerleben. Das Trets ist ein Liegeradanhänger und wirkt auf den ersten Blick oftmals wie ein Kinder-Rolli – oder wie ein Sulky im Trabrennsport. Das Kind sitzt auf einem Bespannsitz, dessen Neigung man durch den Winkel der Deichsel verringern oder verstärken kann. Es kann mitpedalieren - muss es aber nicht, und es hat eine, etwas schwergängige, 7-Gang-Schaltung zur Verfügung. Durch einen Anschnallgurt ist das Kind gesichert, so dass es auch auf der Fahrt schlafen kann. Allerdings ist dazu eine Lösung zur Stütze des Kopfes zu finden (Minimallösung: Nackenhörnchen).

Der Gepäcktransport am Trets in der älteren Version erfordert etwas Aufwand, die Rückseite des Trets-Sitzes für die Aufnahme einer ausreichend großen Packtasche vorzubereiten. Das Einhängen einer kleinen Ortlieb-Tasche ist möglich. Sie muss allerdings mit einem separaten Spanngurt am Sitz befestigt werden. Das Festbinden eines einfachen Packsacks am Sitz hat den Nachteil, dass der Sack durch die Erschütterung nach unten rutschten kann, schließlich auf dem Zahnkranz aufsitzt und durchgescheuert werden kann. Neuere Trets-Modelle haben eine separate Halterung an der Rückseite, die die Gepäckbefestigung erleichtern.

Bei zwei erwachsenen Mitradlern sind die Transportmöglichkeiten vermutlich durch beide Räder gedeckt, so dass hier die Problematik nicht so schwer ins Gewicht fällt. Die kleine Ortliebtasche für Kinderspielzeug etc. ist allerdings schon aus pädagogischen Gründen (für diese Tasche ist das Kind dann auch verantwortlich) sehr sinnvoll.

Das Trets (in der Version von 2004) hat Nachteile: Die notwendigen Pedalhaken, die verhindern, dass die Füße des Kindes auf den Boden fallen können, sind nicht serienmäßig und für die schlechte Qualität der Gummibänder, die den Fuß in den Haken fixieren, teuer. Die Beleuchtung bzw. Ausstattung mit Reflektoren ist unzureichend. Hier sind Bastlerfähigkeiten gefragt. Trotz der Nachteile ist das Trets ein wunderbarer Reiseradanhänger. Das Kind kann mitarbeiten, ausruhen, schlafen, essen während der Fahrt ohne wie bei einem Upright-Trailerbike in Schräglage zu geraten, sich aufrecht halten zu müssen etc. Längere Tagesetappen sind möglich.

Trailerbike

Das Anhängerfahrrrad, Trailerbike oder Rantrailer wurde ursprünglich in Großbritannien verwendet, mindestens schon in den 1970er Jahren, wenn nicht früher. Es war außerhalb dieses Landes nur mit großer Mühe zu beziehen, weil die Hersteller sich nicht die Mühe gemacht haben, Exportmärkte zu erschließen. Etwa ab Mitte der 1990er Jahre wurden solche Anhängerfahrräder in Deutschland regulär verfügbar, so dass man bei Preis, Qualität und Ausstattung eine gute Auswahl hat.

Von Interesse ist vor allem, ob der Gepäckträger des Zugfahrrads noch ganz oder teilweise frei bleibt und ob man noch eine kleine Gepäckmenge am Anhängerfahrrad befestigen kann.

Eltern-Kind-Tandem

Hase Pino als Kindertransporter mit extra-Tretlager und 3-Punkte Gurtensystem für den Vordersitz ausgerüstet, hinten zusätzlich mit Kindersitz. Zusätzlich wäre noch der Anschluss eines Kinderanhängers oder Trets an die Weberkupplung möglich zum Transport von max. 4 Kindern

Eine andere Möglichkeit, ein kleineres Kind auf einer Radreise zu transportieren, bieten die sogenannten Eltern-Kind-Tandems. Je nach Modell sitzen hier beide Fahrer aufrecht (dann sitzt das Elternteil als Captain vorne) oder es gibt eine Liegerad-/Upright-Kombination wie beim Pino, wo das Kind vorne liegend fährt und der Erwachsene dahinter aufrecht sitzend fährt (und lenkt).

Man kann bei einem Tandem das hintere Tretlager mit einer dritten Kette höher legen und so mit Kindern fahren. Es ist sicher gut, wenn die Kinder vorher gelernt haben, selber zu fahren.

Kindersitz

Ein Kindersitz war früher die einzige Art, Kinder auf dem Fahrrad zu befördern. Er ist im Vergleich zu Anhängern preisgünstig, leicht zu montieren und leicht mitzunehmen. Man hat jedoch das Problem, daß das ganze Fahrrad mit dem Kindersitz ein bißchen an Stabilität einbüßt, was nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Abstellen des Fahrrads und beim Losfahren zu beachten ist. Einige Eltern benutzen nur noch den Anhänger und den Kindersitz gar nicht mehr, wenn sie beides haben, andere verwenden je nach Strecke auch noch den Kindersitz.

Kindersitze auf dem Gepäckträger schränken die Gepäckmitnahme am Fahrrad oft recht stark ein. Für kleinere Kinder bietet sich auch die Variante des Kindersitzes am Lenker an. Viele Familien nutzen auf Reisen Anhänger und einen vorderen Kindersitz, wobei der Anhänger für die Schlafenszeiten des Kindes genutzt wird und das Kind in den Wachphasen vor dem Elternteil sitzt und gut unterhalten werden kann.

Weblinks

http://www.followme-tandem.com/ (Follow-Me-Tandemkupplung)
http://www.kinderfahrrad.org/ (Kinderräder)
http://www.hase-spezialraeder.de/des/trets/index.php (Trets)
http://www.hase-spezialraeder.de/des/pino/index.php (Pino)
http://www.zweipluszwei.de/ (Chariot-Anhänger)
http://www.wintherbikes.com/en (Anhänger & Kindertransporträder)
http://www.tout-terrain.de/ (Kinderanhänger + Trailer & bikes)