Centre-Val de Loire

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Lage der Region

Die Region Centre-Val de Loire liegt in Frankreich südwestlich von Paris. Sie wird von der Loire durchzogen, viele der berühmten Schlösser befinden sich hier, aber auch kunstgeschichtlich bedeutende Kathedralen. Bis Anfang 2015 hatte die Region den Namen "Centre".

Vorstellung der Region

Schloss Chenonceau

Die Region ist aus mehreren historischen Provinzen zusammengesetzt und daher plurizentrisch; Orléans, Blois, Tours, Chartres und Bourges heißen die wichtigsten Städte. Geographisch hingegen ist die Region durchaus eine Einheit, es umfasst die überwiegend flachen Binnenlandschaften zwischen Paris und dem Zentralmassiv.

Zentrales geographisches Merkmal ist die Loire, die das Gebiet von Ost nach West durchquert und dabei einen Bogen mit Scheitelpunkt bei Orléans beschreibt. Hinzu kommen die Nebenflüsse der Loire, die sich meist lange parallel zu ihr hinziehen. Die wichtigsten unter ihnen sind der Cher, die Indre und der Loir. (Aufgepasst: der Loir (ohne "e") ist ein indirekter nördlicher Nebenfluss der Loire, der Loiret ein kurzer Zufluss der Loire bei Orléans.) Speziell an Loire und Cher, westlich von Orléans, erstreckt sich die Landschaft der weltbekannten Schlösser.

Auffällig sind auch die vielen ehemaligen und zum Teil noch erhaltenen Höhlensiedlungen an Loir, Loire und Cher sowie einige gegensätzliche Großlandschaften: die waldlose Beauce nördlich der Loire, die endlosen Wälder der Sologne südlich davon; die offene Hügellandschaft des Perche im Norden und die tausend Seen der Brenne im Süden.

Die Region ist etwas größer als Baden-Württemberg, hat aber nur 2,5 Mio Einwohner. Sechs Départements gehören dazu: Cher, Eure-et-Loir, Indre, Indre-et-Loire, Loir-et-Cher und Loiret. Sie werden im folgenden kurz vorgestellt.

Cher

Kathedrale von Bourges

Das Département Cher liegt im Südosten der Region. Zusammen mit Indre entspricht es der alten Provinz Berry. Landschaftlich gehört der Norden noch zur Sologne, der Rest ist das übliche Hügelland, ganz im Osten etwas stärker ausgeprägt.

Im Osten wird das Départment begrenzt von den Flüssen Loire und Allier, die nahe Nevers zusammenfließen. Am Allier liegt Apremont mit seinem Blumengarten, der an schönen Wochenenden von Heerscharen von Touristen heimgesucht wird. Die Loire hat in diesem Département nicht ihren interessantesten Abschnitt, erwähnenswert ist am ehesten die auf einem Hügel gelegene Winzerstadt Sancerre. Wichtigste Touristenattraktion des Départements ist der Hauptort Bourges, dessen gotische Kathedrale (wie die von Chartres) zum Weltkulturerbe gehört. Daneben gibt es wenig Spektakuläres, allenfalls einige Burgen bzw. Ruinen sorgen für Abwechslung, z.B. Mehun-sur-Yèvre nahe Bourges, Meillant und Châteaumeillant. Im Süden des Départements, bei Bruère-Allichamps, verortet man den geographischen Mittelpunkt Frankreichs.

Eure-et-Loir

Schloss Anet

Eure-et-Loir nimmt den Norden der Region ein, Hauptort und Hauptattraktion ist Chartres mit seiner Kathedrale, etwa 100 km entfernt von Paris (siehe Paris - Chartres). An den Rändern des Départements gibt es noch ein paar interessante Burgen und Schlösser: Anet im Norden, Maintenon im Osten, Châteaudun im Süden und Nogent-le-Rotrou im Westen. Dazwischen herrscht touristisch gesehen gähnende Leere; der größte Teil gehört zur agrarischen, waldlosen, flachen Beauce, nur der westliche Teil gehört zum hügligeren Perche.

Indre

Indre, der westliche Teil des Berry, liegt abseits der großen Touristenströme, nicht mal über den Hauptort Châteauroux lässt sich viel sagen. Ganz im Norden ist es mit Valençay noch eines der prächtigen Loire-Schlösser zu finden. Aus Radfahrersicht ist vielleicht noch Ste-Sévère-sur-Indre ganz im Südosten von Interesse, hier fanden die Dreharbeiten zu Tatis Schützenfest (Jour de fête) statt.

Landschaftlich gehört die Nordosthälfte zur sogenannten Champagne berrichonne, einem waldarmen flachen Plateau, das, wie der Name sagt, sehr an die leeren Ebenen der Champagne erinnert. Im Westen bietet die Seenlandschaft Brenne mehr Abwechslung. Im Süden wird es hügliger, machen sich die Ausläufer des Zentralmassivs so langsam bemerkbar.

Indre-et-Loire

Loches

Indre-et-Loire liegt im Westen und bildet zusammen mit Loir-et-Cher den Kern der Schlösser-Landschaft: Auf dem Boden des Départements liegen z.B. Chenonceau (erbaut auf einer Brücke), Amboise (letzte Heimstätte Leonardo da Vincis), Villandry (Schlossgärten), Azay-le-Rideau, Langeais oder Ussé, alle an oder nahe der Loire. Hauptort ist Tours, Stadt des Hl. Martin (der mit dem Mantel) und für seine Kirchen bekannt. Ebenfalls sehr sehenswert sind die Sitze der Unterpräfekturen, die Burgenstädte Chinon und Loches.

Die Geographie wird geprägt von der Loire und ihren südlichen Nebenflüssen, neben der namengebenden Indre sind dies vor allem der Cher und die Vienne. Alle zuvor genannten Orte liegen an einem dieser vier Flüsse. Zwischen den Flusstälern muss man bis zu 100 m Höhenunterschiede überwinden, das etwas hüglige Profil übertrifft jedoch nie 200 m Meereshöhe.

Loir-et-Cher

Souvigny-en-Sologne

Dieses Gebiet mit Hauptort Blois wird von drei parallelen Flüssen bestimmt: dem Loir im Norden, der Loire in der Mitte und dem Cher im Süden. Rund um Blois sind einige der berühmtesten Loire-Schlösser: Chambord, Cheverny, Chaumont, und nicht zu vergessen das Königsschloss von Blois selbst.

Der Südosten gehört den flachen, schier endlosen Wäldern der Sologne. Im Südwesten findet man einige schöne Orte am Cher, z.B. St-Aignan und Montrichard. Im Norden bietet das Tal des Loir gutes Vorankommen auf kleinen Straßen. Die Gegend ist nicht so spektakulär, bietet aber mit Vendôme, Trôo (Höhlensiedlung) und Lavardin noch etwas Abwechslung. Östlich des Loir gehört das Land noch zur flachen Beauce, nordwestlich davon zum hügligen Perche.

Loiret

Schloss Sully

Loiret hat Orléans als Hauptort. Landschaftlich fallen vier Komponenten ins Auge: die Loire, die Wälder rund um Orléans, die Beauce im Norden und die Hügellandschaft im Osten.

Das touristische Interesse konzentriert sich stark auf den Gürtel entlang der Loire. Hier stehen bereits einige Schlösser, aber noch nicht die ganz bekannten (Gien, Sully, außerdem die Kanalbrücke von Briare und die Abtei von St-Benoît). Orléans ist trotz seines klangvollen Namens nicht so interessant und hat außer Kathedrale und ein paar Jeanne-d'Arc-Reminiszenzen nicht so viel zu bieten. Benannt ist das Département nach dem Loiret, einem kurzen Nebenfluss der Loire. Dieser entspringt in den südlichen Vororten von Orléans. Die große Quelle, ein Wiederaustritt von Versickerungen der Loire, liegt in einem Park, der aber nur gegen Eintrittsgeld zu besichtigen ist.

Die Wälder nördlich und südlich von Orléans sind flach, im Norden auch von einigen autofreien Forststraßen durchzogen. Richtung Osten führt der Canal d'Orléans. Die Beauce im Norden ist ein waldloses flaches Plateau, in dem es so gut wie nichts zu sehen gibt. Im Osten rund um Montargis ist eine wellige Hügellandschaft.

Infos für die Reise

Öffentliche Verkehrsmittel

Die Loire bei Blois
Burg von Nogent-le-Rotrou

Die Region ist mit dem Zug von Paris aus gut zu erreichen. Von Montparnasse aus fahren TGVs Richtung Tours und Regionalzüge nach Chartres und Nogent-le-Rotrou.

Der Großteil der Region wird aber vom Gare d'Austerlitz bedient. Hier gibt es eine weitere Linie nach Tours, über Orléans und Blois. Die dort fahrenden Intercités haben seit 2012 keine Fahrradabteile mehr, Mitnahme ist aber in der Praxis trotzdem möglich (in die Gepäckräume am Wageneingang zwängen). Außerdem läuft eine Intercités-Linie über Orléans nach Bourges. Aufgepasst, manche dieser Intercités sind mit freier Fahrradmitnahme (die alten Corails), andere mit kosten- und reservierungspflichtiger Mitnahme (die alten Téoz), im Fahrplan auf die diesbezüglichen Angaben achten. Châteauroux ist von Paris durch Intercités-Téoz erreichbar.

Querverbindungen gibt es von Tours über Bourges und Nevers nach Dijon (TER) - nützlich, wenn man von Deutschland aus ohne Reservierungen in die Gegend will und dafür eine längere Fahrzeit in Kauf zu nehmen bereit ist. Entlang der Loire von Orléans nach Nantes verkehren die Interloire-TERs, im Sommer mit zusätzlichem Wagen für Fahrräder.

Aufgepasst: Die Bahnhöfe von Orléans und Tours sind Kopfbahnhöfe, die nicht von allen Linien bedient werden. Eventuell ist man mit Les Aubrais (für Orléans) und St-Pierre-des-Corps (für Tours) besser bedient, diese Bahnhöfe befinden sich jeweils in den Vorstädten, 3-4 km vom Zentrum entfernt.

Campingplätze

Vor dem Eintragen neuer Plätze bitte die Hinweise auf Empfehlenswerte Campingplätze beachten.
Siehe auch die allgemeinen Bemerkungen zu Campingplätzen in Frankreich.

  • 36190 St Plantaire Camping Municipal de Fougères. Sehr großer an einem See (und in einem Funkloch) gelegener Campingplatz mit geräumigen Sanitäranlagen. (Benutzer: Mütze 2013)
  • 36400 Montgivray Camping Municipal Solange Sand. In der Nähe von La Châtre tief im Berry, bereits ab Mitte März geöffnet. Einfacher Platz mit guten Sanitäreinrichtungen, an der Indre direkt hinter dem kleinen Château, in dem auch die Mairie ist. (2014 StefanS)

Kartenmaterial

Für eine Tour entlang der Loire gibt es spezielle Karten, siehe dort. Für Touren im übrigen Gebiet der Region reicht aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte eigentlich eine Regionalkarte (Michelin oder IGN).

Leihräder

In Orléans gibt es das stadtweite Leihfahrradsystem Vélo+.

Routen

Filmdeko von Jour de Fête

Im Radreise-Wiki werden folgende Routen detailliert behandelt, die durch die Region führen:

Von diesen ist die Loire die wohl beliebteste Route, die quer durch die ganze Region führt. Wer nur wenig Zeit mitbringt, sollte sich auf den Abschnitt unterhalb von Orléans konzentrieren, oberhalb davon ist touristisch weniger Interesse vorhanden. Die anderen beiden Routen sind selbst ausgearbeitete Empfehlungen. Hinweise zu weiteren möglichen Routen sind untenstehend aufgeführt. Einige weitere, teilweise kurze Routen von untergeordneter Bedeutung sind beim AF3V aufgeführt (siehe Weblinks für eine vollständige Liste).

Schlösser in Loir-et-Cher

Im Département Loir-et-Cher gibt es ein regelrechtes Netz an ausgeschilderten Routen, das die Landschaften südlich der Loire erschließt und so ermöglicht, bequem zu Schlössern wie Chambord und Cheverny und anderen Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Ein Weblink sowie eine Übersichtskarte sind unten aufgeführt.

Cher

St-Aignan am Cher

Der Cher durchquert die drei Départements Cher, Loir-et-Cher und Indre-et-Loire, bevor er jenseits von Tours in die Loire mündet. Dabei fließt er im Unterlauf lange Zeit parallel zur Loire und stellt abschnittsweise eine Alternative zur Eurovelo 6 dar. Sehenswert ist vor allem das berühmte Schloss Chenonceau, außerdem gibt es nette Kleinstädte wie St-Aignan und Montrichard. Als Radweg ausgebaut ist nur ein kurzer Abschnitt in Indre-et-Loire, von Chenonceau bis kurz vor Tours.

Einige Möglichkeiten, den Cher in die Eurovelo 6 einzubinden:

  • Ab Beaugency/Mer von der Loire landeinwärts über die Schlösser Chambord und Cheverny nach St-Aignan, von dort über Montrichard nach Chenonceau und weiter über den Berg nach Amboise oder am Fluss nach Tours.
  • Die Loire schon viel früher, etwa bei Nevers oder Sancerre verlassen, um bei Bourges oder Vierzon auf den Cher zu treffen.
  • Minimalprogramm Chenonceau: In Amboise den Wegweisern nach Chenonceau folgen. Man absolviert insgesamt 100 Hm Steigung. Auf halbem Weg im Wald nicht mehr den Wegweisern folgen, sondern auf der D81 bleiben, die direkt nach Chenonceau führt. Nach Besuch des Schlosses der ausgeschilderten Radroute Richtung Tours folgen. Tip: Wer das Schloss nur von außen sehen will, kann dies vom Waldweg am Südufer des Chers aus tun.

Canal d'Orléans

Am Canal d'Orléans

Orléans und Montargis (im Osten des Loiret) sind durch den sogenannten Canal d'Orléans verbunden. Der Treidelpfad am Ufer darf mit dem Fahrrad benutzt werden. Es handelt sich zwar nur um einen schmalen, besseren Trampelpfad, rollt dafür aber erstaunlich gut. Größere Sehenswürdigkeiten gibt es unterwegs nicht. Da der Kanal mehrere Haken schlägt, ist er nicht die direkteste Verbindung zwischen den beiden Städten, dafür ist es im Schatten der Bäume recht idyllisch.

Paris - Mont-St-Michel

Unter dem Namen Véloscénie wird eine nationale Radroute von Paris zum Mont St-Michel an der Ärmelkanalküste beworben, von dem ein Abschnitt durch den Norden der Region führen soll. In der Île-de-France ist davon noch nichts zu sehen, wir verweisen auf die Wiki-Route Paris - Chartres. Rund um Chartres gibt es einen Radweg im Tal der Eure, der praktisch zur Ein- bzw. Ausfahrt in der Stadt ist. Ab Chartres ist eine Route bis Nogent-le-Rotrou ausgeschildert, die über ruhige Landstraßen führt. In der Normandie führt eine Route auf ehemaliger Eisenbahntrasse durch die Normandie Richtung Alençon (nähere Infos siehe Basse-Normandie).

Weblinks

Reiseberichte im Forum: